23.02.2026
Ich weiß jetzt wieder, weshalb ich mir Thriller lieber anschaue als welche zu lesen.
In meiner Jugendzeit, als Pause zwischen Reclam-Büchern der Hochliteratur, griff ich unterwegs gern zu Krimis, die es damals in jeder Bahnhofsbuchhandlung für ein paar Pfennige zu kaufen gab. Das Wesentliche in diesen Geschichten, die für eine Zugfahrt reichten, war die zwischen den Zeilen lesbare Kritik an der herrschenden Versorgungslage. Freudentaumel über Zitronen oder Apfelsinen (die „echten“) sind mir jedenfalls stärker in Erinnerung geblieben als die Mordfälle selbst oder die Arbeit der Polizei.
Heute wähle ich aus, wofür ich meine Lesezeit nutze. Oft sind es Autoren, die ich per Zufall entdecke und von denen ich dann möglichst „alles“ lesen möchte. Solange, bis ich Wiederholungen finde oder einfach gesättigt bin.
Auf manchen Büchern steht sogar „Krimi“, aber ein Fall wird höchstens am Rande behandelt, neben dem Hauptstrang, der sich um menschliche Beziehungen dreht. Ein Toter, eine Tote als Aufhänger, wie bei der schrillen Werbung für „Mein Herz so weiß“ von Javier Marías vor mehr als dreißig Jahren, das auch ein Krimi sein sollte, nur, weil die Braut sich auf der ersten Seite umbringt. Für mich jedenfalls war es kein Kriminalroman und ich bin sehr froh, der Werbung nicht geglaubt zu haben, sonst hätte ich es vielleicht nie gelesen.
Regionale Krimis habe ich dann und wann zur Hand genommen, in den meisten Fällen deshalb, weil ich den Autor oder die Autorin kenne. Thriller schreiben sie glücklicherweise alle nicht.
Die möchte ich nicht lesen.
Es gibt ungezählte Filme und Serien dieses Genres, und wenn es zu brutal wird, schließe ich die Augen. Das funktioniert gut. Noch immer interessieren mich die Geschichten der Menschen mehr als die eigentlichen Kriminalfälle. Weshalb man Brutalität überhaupt zeigen muss, verstehe ich nicht. Beschreibungen würden mir vollkommen ausreichen.
Allerdings nur, wenn ich sie höre.
Denn ich habe einen dicken Kriminalroman oder doch eher Thriller gelesen und ahnte, dass die Schilderungen mich bis in die Nacht verfolgen würden. So kam es denn auch. Gut geschrieben, würden Kritiker vielleicht ausrufen, so soll es sein! Nicht für mich.
Ich mag keine Alpträume und schon gar keine, die sich aus Gelesenem speisen. Da kann das Buch noch so spannend sein, die Wendungen logisch und dennoch nicht immer vorhersehbar, die Geschichte teilweise sogar amüsant.
Ich werde wohl wieder zum Bildschirm zurückkehren. Auch, wenn mir dann manch ein gut formulierter Satz entgehen muss, weil er im Drehbuch nicht vorkommt, sondern der Prosa vorbehalten bleibt. Meine Nachtruhe ist mir wichtiger.
