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Der Leipzig Podcast …

Der Leipzig Podcast …

22. März 2026

kommt hier nicht, obwohl ich den Text tatsächlich im Entwurf aufgesprochen habe.

Aber chronologisch.
„Verspätung aus vorheriger Fahrt“ ist das Wort des ersten Tages.
Hochdeutsch geschrieben oder sächsisch gesprochen spielt keine Rolle und zeigt nur, dass es nördlich wie südlich genauso schlecht um die Bahn bestellt ist.
Die Anreise war genau so, wie man es sich vorstellt. Mit zwanzig Minuten Verspätung fuhr der erste Regionalexpress los, die Umstiegszeit in Dessau schmolz dahin. Der Zugbegleiter schließlich empfahl allen nach Leipzig Reisenden in Roßlau auszusteigen, um den Anschlusszug einen Halt vorher noch erreichen zu können. Nur Momente später rollte der Zug aus Magdeburg ein, hielt an und erklärte den vielleicht einhundert wartenden Menschen: „Wir sind voll. Der nächste Zug ist doppelt so lang. Warum sind Sie überhaupt hier ausgestiegen?“
Weil der Zugbegleiter das empfohlen hat.
Von Dessau aus hätte man vielleicht eine S-Bahn erwischt. So blieb nur auf den nächsten Zug zu warten. Die Schüler sprangen über die Zäune und vergnügten sich auf dem Rasen mit Glasflaschen, die andere dort hinterlassen hatten, und versuchten, sie mit dem Schießen an Betonpfeiler kaputt zu kriegen. Nach Aussage einer Reisenden waren die Lehrerinnen im Geburtstagsfeierrausch und kümmerten sich nicht darum.
Zum Glück kam der nächste Zug. Auch voll, aber irgendwie kamen alle hinein, um in Leipzig am Bahnhof Messe wieder auszusteigen und hintereinander zu den gläsernen Messehallen zu laufen.
Verwundert schaute ich auf die Anlage mit den Springbrunnen: es gab keine langen Schlangen. Die Organisation war also wesentlich besser als noch vor einem Jahr.
Ich hatte es noch besser, denn ich ging ins Pressezentrum. Begrüßte das Messemännchen, das es also auch noch gibt. Um mich herum himmlische Ruhe. Saubere Toiletten, hilfsbereite, freundliche Mitarbeiter, die mir Gepäck und Jacke abnahmen. Und dann war ich drinnen. Immerhin nur mit knapp zwei Stunden Verspätung.
Die Aussteller sind am Donnerstag noch ausgeruht. Es gibt fast überall kostenfreie Zeitungsexemplare. Die Gespräche sind freundlich und vor allem ist es nicht schwer, tatsächlich zu denen vorzudringen, mit denen man reden möchte, von einer Halle in die nächste.
Ich hatte neben den selbst gewählten Gesprächsterminen einige Lesungen auf dem persönlichen Programmzettel, die ich mir gerne anhören wollte und schaffte es sogar noch, liebe Menschen zu treffen und mit ihnen zu schwatzen.
Am späten Nachmittag ging es in der überfüllten S-Bahn zurück in die Stadt, etwas essen, ein wenig frisch machen und dann ins Literaturhaus. Das Leipziger Literaturhaus war gerade in den Schlagzeilen. Nun scheint die weitere Finanzierung gesichert zu sein. Der Saal war ausverkauft, ich saß, andere standen sogar. Judith Hermann las viele Stellen aus ihrem neuen Buch, erzählte und beantwortete Fragen. Die Veranstaltung war sehr interessant und ein Hörerlebnis, die Autorin live zu erleben hatte ich mir schon lange gewünscht.

Nach kurzer und unruhiger Nacht folgte der zweite Tag auf der Messe. Es war wesentlich voller als am Donnerstag, allerdings kam es mir auch wärmer vor. Vermutlich, weil nicht überall die Fenster und Türen offen standen.
Ich hatte keine Termine mehr vereinbart und konnte mich treiben lassen. Ich erwischte noch eine Zeitung, die am Tag zuvor vergriffen gewesen war, sah einem Lego-Roboter zu, wie er den Zauberwürfel in Windeseile bearbeitete, und freute mich darüber, dass es im Beltz-Verlag Neuauflagen all meiner Kinderbücher zu geben scheint. Ich besuchte die Stände von einfacher und leichter Sprache, weil mich das gerade interessiert, wurde von Autoren angesprochen, die eigene Stände auf der Messe aufgebaut hatten, und staunte über das riesige Angebot an Hörbuch-Verlagen. Ich hielt bei Lesungen an, lauschte englischer und französischer Sprache und österreichischem Dialekt und nahm vor dem dichter werdenden Gedränge letztlich doch Reißaus.
Eine Pause hatte ich dringend nötig, die ich dann doch mit all den gehamsterten Zeitungen zubrachte, um nur die wichtigsten Artikel mit nach Hause schleppen zu müssen.
Am Abend hatte ich großes Glück und durfte in die bereits ausgebuchte Thalia-Buchhandlung hinein, in der Jana Hensel ihr neues Buch „Es war einmal ein Land“ vorstellte.
Obwohl ich die letzten Jahrzehnte bewusst erlebt habe, war einiges vollkommen neu für mich. Spannend, lange recherchiert, gut vorgetragen.
Für mich ein nachdenklich stimmender Abschluss dieser Buchmesse.
Um den vielen Büchern in meinen Regalen nicht noch weitere aufzubürden, habe ich nun erst einmal all meine Fernleihwünsche an die Bibliothek weitergegeben.
Lesestoff für die kommenden Wochen, ich freue mich darauf.

Lektorat 2

Lektorat 2

31. Dezember 2025

Diese Feiertage werde ich so schnell nicht vergessen.

Familie und Schreiben unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, aber ich habe es ganz gut hinbekommen.

Heute ist der letzte Tag eines sehr ereignisreichen Jahres und das Lektorat konnte pünktlich beendet werden. Ein Grund mehr zum Feiern.

Der schreibarme Dezember ist also in diesem Jahr ausgefallen, aber es war nicht nur anstrengend und intensiv, sondern auch voller Staunen und Freude. Wie gut es tut, mit konstruktiven Hinweisen zu arbeiten, wie viele Möglichkeiten es gibt, die Geschichte noch ein bisschen besser zu machen, das Staunen darüber, dass es gelingen kann.
Ein paar Arbeitsschritte stehen noch an: das Korrektorat, die Entscheidung für Titel und Cover, Klappentext und Danksagung, der Druck.
Mit dem Dankeschön fange ich schonmal an: Danke an alle, die mich unterstützt haben und sich mit mir freuen auf meinen neuen Roman.

Auf ein gutes, friedliches 2026.

Lektorat 1

Lektorat 1

02.12.2025

Endlich geht es los. Ich habe die ersten Seiten und ein paar Fragen von der Lektorin erhalten und bin erst einmal abgetaucht. In meinen Text, in die Figuren, ihre Eigenarten und Wünsche.
Was mir als Autorin sonnenklar ist, muss auch dastehen. Ganz einfach und manchmal ziemlich schwer.
Wenn ich beinahe verzweifle, denke ich an eine Übung aus dem letzten Seminar: wir sollten eine Person ganz genau beschreiben, die uns gegenübersteht oder -sitzt. Anschließend wurde der Text von einer anderen Person vorgelesen, während eine weitere Person sich textkonform hinstellen oder hinsetzen sollte. Während des Seminars wurde sehr viel gelacht. Dabei dachte vermutlich jeder, das exakt beschrieben zu haben. War es aber nicht, wie die Verrenkungen sehr deutlich zeigten.
Ich denke an diese Übung und muss unweigerlich schmunzeln. Also los. Wie genau war das mit dieser oder jener Figur, weshalb sagt sie genau diesen Satz an genau dieser Stelle. Wie wichtig sind gewölbte Fensterscheiben, wie detailliert muss der Boden beschrieben werden, wo genau befindet sich eine Figur. Braucht sie für das, was sie im Text gerade tut, zwei oder eher drei Hände?
Natürlich sollten diese Fragen längst beantwortet sein, wenn das Manuskript bei einem Verlag angekommen ist. Betriebsblind zu werden nach der zehnten oder zwanzigsten Überarbeitung gehört aber auch dazu. Dafür sind Lektorinnen da. Zum Glück. Also weiter.

Ein neuer Verlag

Ein neuer Verlag

20. Juni 2025

Irgendwo öffnet sich immer eine Tür.
Der Spruch ist nicht neu, daran zu glauben, dass es weitergehen kann, weitergehen wird, fiel mir zwischendurch sehr schwer.
Nach zehn Jahren meist guter Zusammenarbeit hat der Verlag, der drei meiner Romane veröffentlicht hat, aufgegeben. Mit Kollegen gemeinsam versuchten wir zu retten, was nicht mehr zu retten ist, meine Bücher sind lieferbar, das immerhin. Andere Antworten auf die vielen Fragen habe ich nicht gefunden und ob mit Anwalt oder ohne – mehr, als die Rechte an meinen Werken zurückzubekommen, werde ich kaum erreichen.
Unschöne und zeitaufwändige, Nerven kostende und demütigende Monate danach kann ich wieder voller Hoffnung in meine literarische Zukunft blicken.
Ein kleiner Verlag, enthusiastisch, kreativ, und an meinen Texten interessiert. Der Vertrag ist unterschrieben, im Spätsommer beginnt das Lektorat.

Es gab weitere Zusagen – von Verlagen, die erwarteten, dass ich stapelweise Bücher selbst erwerbe oder auf das Lektorat verzichte. Bei der Abnahme von Büchern habe ich gezögert – es ist leider inzwischen nicht selten, dass selbst mittelständische Verlage so etwas von ihren Autoren erwarten. Beim Lektorat gibt es für mich keinen Kompromiss. Ohne Lektorat werde ich nicht veröffentlichen, so schmeichelnd die Verlage mich behandeln.

Der unterschriebene Vertrag enthält diese Regelungen nicht, das ist ein großes Geschenk.
Ich freue mich auf das neue Buch, vorsichtig, vermutlich glaube ich mein Glück erst, wenn ich den Roman in den Händen halte. Die Enttäuschung sitzt tief, bezüglich der zehn Jahre dauernden Verlagsbeziehung, die zu einer persönlichen geworden war, und bezogen auf die zahlreichen Ablehnungen von anderen Verlagen. Meine Texte passen nicht zum Mainstream, das weiß ich, vielleicht spielt auch mein Alter eine Rolle: Zwanzigjährige lassen sich nicht nur leichter vermarkten, sie können auch als Label aufgebaut werden. Talente gibt es zuhauf, und ob sich die Investition rechnet, ist ebenso unbestimmbar wie bei meinen Büchern.
Der neue Vertrag gibt mir Kraft. Zuversicht. Ich schaffe es sogar manchmal, meinen Text „wie ein Fremder“ zu lesen, streiche liebgewordene Formulierungen noch vor dem eigentlichen Lektorat.
Ende des Monats geht das Manuskript zum Verlag. Ich freue mich auf die spannenden Monate bis zum Erscheinen.

LBM 2025

LBM 2025

28. März 2025

Das wichtigste zuerst: sehenswert. Immer. Obwohl es am Freitag viel zu voll war und die Security herum stand ohne zu handeln. Am normalen Einlass schlängelte sich ein riesiges Band aus Körpern um das große Wasserbecken herum, einen separaten Presseeingang gab es eben so wenig wie einen für Fachbesucher, die nicht gleichzeitig Aussteller waren. Ich konnte nur schieben und geschoben werden, glücklicherweise half mir vorerst die in den vergangenen Jahren erworbene Orientierung. Sicherheit ist wichtig, weshalb jedoch jeder einzelne Besucher einen Scan über sich ergehen lassen musste beziehungsweise durch das vom Flughafen bekannte Gerät gehen, was die Wartezeit extrem verlängerte, blieb mir unklar. Taschenkontrollen gab es wie in jedem anderen Jahr auch. Wer seitlich ins Gebäude kam, konnte weder Rucksack noch Jacke abgeben. Draußen schien die Sonne und heizte die Glasröhren zusätzlich auf.

Es war bunt wie immer, gut besucht wie immer, nur inhaltlich hat sich einiges verändert. Weniger Pressestände, mehr Fantasy, Dark Romance und New Adult. Für einen Tag war es schön zu sehen, wie viele Menschen sich nach wie vor für das gedruckte Wort interessieren.
Das Wiener Café hatte geöffnet, ein Mußepunkt inmitten des Trubels, und am Stehtisch tatsächlich Zeit zum Erzählen.
Der Rückweg verlangte mir dann doch noch einiges ab, denn ich nahm den falschen Ausgang. Wo man üblicherweise draußen und unter den Glasröhren zurück laufen kann, gab es nur Zäune und Mitarbeiter, die uns (ich war nicht die einzige, die verwundert auf den Maschendraht blickte) mit ein paar Brocken Deutsch erklärten, dass es hier nicht weitergeht. Also ungefähr siebenhundert Meter zurück, die Treppen nach oben nehmen und in sehr weitem Bogen um das Gebäude herumlaufen, um dann wieder hinabzusteigen. Der Weg zurück durch die Messehallen wäre definitiv kürzer gewesen.
Chaos auf dem Bahnhof, aber dort drei handelnde Mitarbeiterinnen, Megaphone und Ansagen, und dann war ich irgendwann am Hauptbahnhof und lief zum Bahnsteig für den ICE nach Berlin. Der hatte Verspätung, aber das war dann tatsächlich nicht mehr wichtig.

BuchBerlin 2024

BuchBerlin 2024
23. September 2024

Vor einigen Jahren war ich zum ersten Mal als Vertreterin des Brandenburgischen Schriftstellerverbandes auf dieser kleinen Messe gewesen. Es hatte mir damals nicht gefallen. Zu viele Self-Publisher, die an zahlreichen Ständen ihre eigenen Bücher mit erschreckend banalen Themen in einer wenig ausgefeilten Sprache anboten, zu wenige Literaturverlage, viel zu viel Selbstdarstellung und Schnickschnack.

In diesem Jahr wagte ich mich wieder einmal dorthin. Der Brandenburgische Schriftstellerverband war nicht vertreten, auch „mein“ Karlsruher Verlag nicht, die Zahl an ausstellenden Literaturverlagen war ebenfalls geschrumpft.

Dennoch hatte sich bereits zur Eröffnung eine lange Schlange vor dem Eingang gebildet. Wieder waren es vor allem Autoren und Autorinnen, die selbstverlegte Bücher anboten, teils entsprechende Performance dazu boten, auch Merchandising stand offensichtlich hoch im Kurs. Es gab Lesungen und ausgestellte Bücher, die zum Schmökern einluden, mir allerdings leider auch vor Augen führten, dass diese Buchmesse vor allem den Bereichen Fantasy, Krimi und Romance gewidmet war. Und dem Selbst-Verlegen von Texten: ich sah etliche Stände von Dienstleistern, Werbeagenturen und Freien Lektoren. Gut, eine Tombola, ein Rätsel-Wettbewerb, hier und da Süßigkeiten – das findet sich auch auf der großen Messe in Leipzig.

Glücklicherweise gab es auch gute Momente an anderen Ständen: Mehrsprachige Kinderbücher, die in ausländischer Währung ausgepreist waren und für wenig Geld den Besitzer wechselten, kleine Literaturverlage, die anspruchsvolle Texte in Hardcover, Softcover und Zwischenformen hatten drucken lassen, eine Vielfalt an Themen und Genres, die mich erstaunte und aufmerken ließ. Auch die #BerlinAuthors waren vertreten, engagiert, jung, mit eigenen Werken und dem Ziel, ein breites Netzwerk aufzubauen, das auch jede brandenburgische Autorin willkommen heißt.

Die BuchBerlin geht über zwei Tage, an einem Wochenende, und vermutlich haben viele Gäste dort das gefunden, was sie gesucht haben. Ich konnte gute Gespräche führen, erfuhr auch, weshalb jemand die Buchmesse mochte oder was fehlte, oft sogar ungefragt. Für mich war es immerhin interessant und gekauft habe ich auch etwas. Ein Tag reichte mir jedoch und nach dem vielen Laufen zwischen den Gängen, die laienhaft beschriftet waren, atmete ich draußen die spätsommerlich warme Luft und schlenderte den restlichen Nachmittag lieber auf der anderen Seite des Bahnhofs Treptower Park, wo ich das Wasser sehen konnte und viel Grün und Muße hatte, über all das nachzudenken, was sich an Informationen und Bildern in mir angesammelt hatte.

LBM 2024

LBM 2024
20.-23. März 2024

Ein Frühlingstag im März. Während draußen noch etliche Besucher ihre Mützen präsentierten, heizte es sich wie üblich unter den Glasdächern der Messehallen schnell auf. Die Comic-Manga-Fraktion erschien mir bereits am Donnerstag doppelt so stark wie in den vergangenen Jahren, bunt, unsicher und selbstbewusst, Farbkleckse zwischen den in Schwarz Gestylten.
Mit einem eigenen aktuellen Buch auf der Messe zu sein, ist doch etwas anderes. Ich fühlte mich beschwingt, gesehen, obwohl es von Bestsellerautoren nur so wimmelte. Die Signierstunde am Verlagsstand war gut besucht, ich wurde sogar von Schülern interviewt und hoffe, sie haben eine gute Note dafür erhalten.
Das „Café Wien“ ist wieder da! Und damit unser Treffpunkt, unsere Insel inmitten des Gewühls. Mit schmackhaftem Kuchen, tollem Kaffee, freundlicher Bedienung und einem Glas Sekt – man muss sich nicht gleich betrinken, um sich wohl zu fühlen und über den Sinn des Daseins nachzudenken.
Zum Nachdenken kommt man während der Rundgänge eh nicht. Überall Programm, gegen Mittag bereits schieben sich die Menschen durch die Gänge, in denen die Frühlingsluft nicht gespürt werden kann. Erst draußen. Was für ein Aufatmen.
Gelungene Lesungen, wunderbare Gespräche, viel zu wenig Schlaf. Das gehört dazu, den Schlaf kann man zu Hause nachholen. Die Begegnungen und Diskussionen nicht, davon werde ich noch eine Weile zehren. Ich freue mich auf 2025!

Das Buch in den eigenen Händen halten

Das Buch in den eigenen Händen halten
17. Januar 2024

… ist auch beim dritten Roman etwas sehr Besonderes. Ich riss die Verpackung auf wie ein Westpaket – und es war schließlich auch eines, aus dem Südwesten der Republik. Schutzfolie abtrennen, aufschlagen, lesen. Das habe ich geschrieben. Es ist gedruckt worden. Mein Buch.

Die ersten Exemplare signieren – für meine Familie. Das Buch zeigen, mich weiter freuen.
Noch fehlt mir der Mut, es im Ganzen noch einmal zu lesen, ich fürchte das Auffinden der Tippfehler, die ich übersehen habe. Es sind welche drin, das steht fest.
Das ist so sicher wie das Auffinden von Fehlern in fremden Büchern. War das früher tatsächlich anders oder nur in meiner Erinnerung? In den alten Ausgaben von Christa Wolf habe ich nie einen Tippfehler gefunden – auch kein an falscher Stelle stehendes Trennungszeichen am Zeilenende. In den neueren Ausgaben schon. Wenige, damit werde ich mich nicht messen können, aber es gibt sie. Weil es weniger Lektoren und Korrektoren gibt, vermutlich, die sich das Werk anschauen. Weil ich nicht Christa Wolf bin, das auch. Es ist ein wenig traurig, aber davon möchte ich mir gerade nicht die gute Laune vertreiben lassen. Mein Buch ist da und ich liebe es.


Ich kann es kaum erwarten, das Buch präsentieren zu dürfen, Menschen, die zu meinen Lesungen kommen werden. Die schon anderes von mir gelesen haben und mir schreiben, dass sie sich auf das neue Werk freuen. Wird es der Erwartung standhalten können?
Der Zweifel wird wohl nie verschwinden.
Ich habe alles gegeben, was möglich war, in den letzten Monaten und all den Jahren davor. Der Roman ist so gut, wie er gerade sein kann. Ich streiche über den Umschlag und habe mich mit dem Hut versöhnt, den ich zuerst nicht auf dem Cover haben wollte.
Das Buch ist dicker als ich dachte, nun gut, es umfasst auch mehr Seiten als „Paule“ oder „Rot ist schön“. Kaum noch zu glauben für mich, dass es einmal mehr als 800 Seiten gewesen sind, das wäre doppelt so viel wie jetzt. Das wäre im wahrsten Sinne eine schwere Lektüre geworden. 400 Seiten sind genug und ich freue mich auf die Leser. Und alle Frauen natürlich auch.

Vorfreude ist die schönste Freude

Vorfreude ist die schönste Freude
5. Dezember 2023

Das gilt nicht nur vor Weihnachten, obwohl es in diesem Jahr für mich so passt. Und geteilte Freude ist doppelte Freude.

Das macht mir gerade am meisten Spaß: anderen vom bevorstehenden Erscheinen meines Romans „Greta“ zu berichten und die Freude darüber mit ihnen zu teilen.

Einige Emails kommen leider zurück – zu lange ist es her, dass ich mit dem Text begonnen habe, zu viele Jahre sind seit den Recherchen vergangen. Bei anderen wiederum ist die Erinnerung an mich präsent. Ich bekomme sogar Fotos zurückgeschickt und leichte Entrüstung: sie haben mich doch nicht vergessen! Alle freuen sich mit mir und diese zurückgegebene Freude lässt meine sich nicht nur verdoppeln wie in besagtem Sprichwort, sondern verzehnfachen. Mindestens.

Ich laufe jetzt schon wie auf Wolken, dabei habe ich erstens das Buch noch gar nicht in der Hand und zweitens ist das ziemlich gefährlich, weil die Wege draußen wahre Rutschbahnen sind. Winter halt. Wenigstens zwischen dem ersten und zweiten Advent, für das Wetter sind drei Wochen bis zum Fest eine lange Zeit. Schneemänner säumen die Rasenflächen, Schneebälle fliegen, das Juchzen klingt hell und laut aus den Kinderkehlen. Ich möchte am liebsten mitjuchzen, singen, tanzen. Selbst das Grau, das nach dem „Pieselschnee“ das Licht des Tages dimmt, kann mich nicht davon abhalten, fröhlich zu sein. Auch nicht die erwartete Email, der ausstehende Anruf, der Räumlichkeiten verspricht für die Premierenlesung, in diesen Tagen denke ich: alles wird sich fügen. Die anderen Stunden, die, in denen mich das Grau vor dem Fenster niederdrückt, werden auch wieder kommen, aber das kann ich gerade sehr gut fortschieben.

Ich genieße die Vorfreude.

Rien ne va plus

Rien ne va plus
12. November 2023

Nichts geht mehr – so fühlte ich mich, als ich das Manuskript nach dem erneuten Lektorat endlich abgeschickt habe. Dabei stehen die Druckfahnen noch aus. Kleine Dinge kann ich auch dann noch beheben. Größere, wie das Umstellen von Sätzen oder gar Absätzen, nicht mehr. Das ist auch gut so, es muss ja irgendwann Schluss sein mit der Überarbeitung. Ein schales Gefühl bleibt dennoch. Was, wenn ich etwas ganz Wichtiges übersehen habe?

Habe ich nicht. Ich habe das gesamte Manuskript einmal selbst eingelesen und abgehört und mir einmal vom Computer vorlesen lassen. Ich habe konzentriert gearbeitet, mir jede Seite des umfangreichen Recherchematerials noch einmal angesehen, all die Bilddateien aufgerufen, die mir Dank des Inhalts einer schwarzen Epoche Alpträume bescherten. Ich habe getan, was ich tun konnte. Das sage ich mir vor, wesentlich leichter wird mir damit allerdings auch nicht.

Das Vorlesen lassen, mit einer monotonen Computerstimme, hat sehr geholfen. Der Computer liest über Tippfehler nicht einfach hinweg, wie ich es tat, sondern findet auch fehlende „s“, ein „r“ statt „t“, ohne das vorab zu unterkringeln. Weill es diese Wörter eben auch gibt und ein Rechtschreibprogramm keine Logik prüft.

Diese neue Erfahrung – das Einlesen samt Abhören und das Laut-Vorlesen-lassen werde ich mir für kommende Texte auf jeden Fall merken. Bei diesem Manuskript habe ich das kapitelweise von Anfang an getan (das Aufsprechen), vielleicht, weil das Werk so umfangreich ist? Weil es voller Recherchematerial steckt? Ganz sicher, weil ich – beim lauten Einlesen oder spätestens beim Abhören – jedes Stolpern bemerke und dort einsetzen kann. Darüber nachdenken und passender formulieren, streichen oder umstellen.

Die üblichen letzten Schritte mit dem Suchen nach Wortwiederholungen haben mich dieses Mal echt gefordert. Aber auch das ist Vergangenheit und die Änderungen sind hoffentlich gelungen. Nun heißt es abwarten. Länger als geplant. Der Erscheinungstermin vor Weihnachten ist leider nicht mehr zu halten. Das hat mich noch einmal aus der Bahn geworfen.

Letztlich ist das Wichtigste für mich jedoch, dass der Roman erscheinen wird. Dann eben im eiskalten Winter (so es einen geben wird). „Eiseskalt“, wie Ieva sagte, ich stecke noch immer voller Romansätze und träume sogar mit ihnen. Das ist etwas Schönes, ich fühle mich aufgehoben darin, ich weiß, dass ich alles gegeben habe.

Das Cover gefällt mir und lässt mich daran denken – „erwartungsschwanger,“ auch das ein Wort aus dem Roman – wie es sein wird, das fertige Buch in den Händen zu halten. Ich freue mich darauf. Und einen neuen Raum für die Premierenlesung werde ich auch noch finden.