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Lektorat 2

Lektorat 2

31. Dezember 2025

Diese Feiertage werde ich so schnell nicht vergessen.

Familie und Schreiben unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, aber ich habe es ganz gut hinbekommen.

Heute ist der letzte Tag eines sehr ereignisreichen Jahres und das Lektorat konnte pünktlich beendet werden. Ein Grund mehr zum Feiern.

Der schreibarme Dezember ist also in diesem Jahr ausgefallen, aber es war nicht nur anstrengend und intensiv, sondern auch voller Staunen und Freude. Wie gut es tut, mit konstruktiven Hinweisen zu arbeiten, wie viele Möglichkeiten es gibt, die Geschichte noch ein bisschen besser zu machen, das Staunen darüber, dass es gelingen kann.
Ein paar Arbeitsschritte stehen noch an: das Korrektorat, die Entscheidung für Titel und Cover, Klappentext und Danksagung, der Druck.
Mit dem Dankeschön fange ich schonmal an: Danke an alle, die mich unterstützt haben und sich mit mir freuen auf meinen neuen Roman.

Auf ein gutes, friedliches 2026.

Lektorat 1

Lektorat 1

02.12.2025

Endlich geht es los. Ich habe die ersten Seiten und ein paar Fragen von der Lektorin erhalten und bin erst einmal abgetaucht. In meinen Text, in die Figuren, ihre Eigenarten und Wünsche.
Was mir als Autorin sonnenklar ist, muss auch dastehen. Ganz einfach und manchmal ziemlich schwer.
Wenn ich beinahe verzweifle, denke ich an eine Übung aus dem letzten Seminar: wir sollten eine Person ganz genau beschreiben, die uns gegenübersteht oder -sitzt. Anschließend wurde der Text von einer anderen Person vorgelesen, während eine weitere Person sich textkonform hinstellen oder hinsetzen sollte. Während des Seminars wurde sehr viel gelacht. Dabei dachte vermutlich jeder, das exakt beschrieben zu haben. War es aber nicht, wie die Verrenkungen sehr deutlich zeigten.
Ich denke an diese Übung und muss unweigerlich schmunzeln. Also los. Wie genau war das mit dieser oder jener Figur, weshalb sagt sie genau diesen Satz an genau dieser Stelle. Wie wichtig sind gewölbte Fensterscheiben, wie detailliert muss der Boden beschrieben werden, wo genau befindet sich eine Figur. Braucht sie für das, was sie im Text gerade tut, zwei oder eher drei Hände?
Natürlich sollten diese Fragen längst beantwortet sein, wenn das Manuskript bei einem Verlag angekommen ist. Betriebsblind zu werden nach der zehnten oder zwanzigsten Überarbeitung gehört aber auch dazu. Dafür sind Lektorinnen da. Zum Glück. Also weiter.

Ein neuer Verlag

Ein neuer Verlag

20. Juni 2025

Irgendwo öffnet sich immer eine Tür.
Der Spruch ist nicht neu, daran zu glauben, dass es weitergehen kann, weitergehen wird, fiel mir zwischendurch sehr schwer.
Nach zehn Jahren meist guter Zusammenarbeit hat der Verlag, der drei meiner Romane veröffentlicht hat, aufgegeben. Mit Kollegen gemeinsam versuchten wir zu retten, was nicht mehr zu retten ist, meine Bücher sind lieferbar, das immerhin. Andere Antworten auf die vielen Fragen habe ich nicht gefunden und ob mit Anwalt oder ohne – mehr, als die Rechte an meinen Werken zurückzubekommen, werde ich kaum erreichen.
Unschöne und zeitaufwändige, Nerven kostende und demütigende Monate danach kann ich wieder voller Hoffnung in meine literarische Zukunft blicken.
Ein kleiner Verlag, enthusiastisch, kreativ, und an meinen Texten interessiert. Der Vertrag ist unterschrieben, im Spätsommer beginnt das Lektorat.

Es gab weitere Zusagen – von Verlagen, die erwarteten, dass ich stapelweise Bücher selbst erwerbe oder auf das Lektorat verzichte. Bei der Abnahme von Büchern habe ich gezögert – es ist leider inzwischen nicht selten, dass selbst mittelständische Verlage so etwas von ihren Autoren erwarten. Beim Lektorat gibt es für mich keinen Kompromiss. Ohne Lektorat werde ich nicht veröffentlichen, so schmeichelnd die Verlage mich behandeln.

Der unterschriebene Vertrag enthält diese Regelungen nicht, das ist ein großes Geschenk.
Ich freue mich auf das neue Buch, vorsichtig, vermutlich glaube ich mein Glück erst, wenn ich den Roman in den Händen halte. Die Enttäuschung sitzt tief, bezüglich der zehn Jahre dauernden Verlagsbeziehung, die zu einer persönlichen geworden war, und bezogen auf die zahlreichen Ablehnungen von anderen Verlagen. Meine Texte passen nicht zum Mainstream, das weiß ich, vielleicht spielt auch mein Alter eine Rolle: Zwanzigjährige lassen sich nicht nur leichter vermarkten, sie können auch als Label aufgebaut werden. Talente gibt es zuhauf, und ob sich die Investition rechnet, ist ebenso unbestimmbar wie bei meinen Büchern.
Der neue Vertrag gibt mir Kraft. Zuversicht. Ich schaffe es sogar manchmal, meinen Text „wie ein Fremder“ zu lesen, streiche liebgewordene Formulierungen noch vor dem eigentlichen Lektorat.
Ende des Monats geht das Manuskript zum Verlag. Ich freue mich auf die spannenden Monate bis zum Erscheinen.

LBM 2025

LBM 2025

28. März 2025

Das wichtigste zuerst: sehenswert. Immer. Obwohl es am Freitag viel zu voll war und die Security herum stand ohne zu handeln. Am normalen Einlass schlängelte sich ein riesiges Band aus Körpern um das große Wasserbecken herum, einen separaten Presseeingang gab es eben so wenig wie einen für Fachbesucher, die nicht gleichzeitig Aussteller waren. Ich konnte nur schieben und geschoben werden, glücklicherweise half mir vorerst die in den vergangenen Jahren erworbene Orientierung. Sicherheit ist wichtig, weshalb jedoch jeder einzelne Besucher einen Scan über sich ergehen lassen musste beziehungsweise durch das vom Flughafen bekannte Gerät gehen, was die Wartezeit extrem verlängerte, blieb mir unklar. Taschenkontrollen gab es wie in jedem anderen Jahr auch. Wer seitlich ins Gebäude kam, konnte weder Rucksack noch Jacke abgeben. Draußen schien die Sonne und heizte die Glasröhren zusätzlich auf.

Es war bunt wie immer, gut besucht wie immer, nur inhaltlich hat sich einiges verändert. Weniger Pressestände, mehr Fantasy, Dark Romance und New Adult. Für einen Tag war es schön zu sehen, wie viele Menschen sich nach wie vor für das gedruckte Wort interessieren.
Das Wiener Café hatte geöffnet, ein Mußepunkt inmitten des Trubels, und am Stehtisch tatsächlich Zeit zum Erzählen.
Der Rückweg verlangte mir dann doch noch einiges ab, denn ich nahm den falschen Ausgang. Wo man üblicherweise draußen und unter den Glasröhren zurück laufen kann, gab es nur Zäune und Mitarbeiter, die uns (ich war nicht die einzige, die verwundert auf den Maschendraht blickte) mit ein paar Brocken Deutsch erklärten, dass es hier nicht weitergeht. Also ungefähr siebenhundert Meter zurück, die Treppen nach oben nehmen und in sehr weitem Bogen um das Gebäude herumlaufen, um dann wieder hinabzusteigen. Der Weg zurück durch die Messehallen wäre definitiv kürzer gewesen.
Chaos auf dem Bahnhof, aber dort drei handelnde Mitarbeiterinnen, Megaphone und Ansagen, und dann war ich irgendwann am Hauptbahnhof und lief zum Bahnsteig für den ICE nach Berlin. Der hatte Verspätung, aber das war dann tatsächlich nicht mehr wichtig.

BuchBerlin 2024

BuchBerlin 2024
23. September 2024

Vor einigen Jahren war ich zum ersten Mal als Vertreterin des Brandenburgischen Schriftstellerverbandes auf dieser kleinen Messe gewesen. Es hatte mir damals nicht gefallen. Zu viele Self-Publisher, die an zahlreichen Ständen ihre eigenen Bücher mit erschreckend banalen Themen in einer wenig ausgefeilten Sprache anboten, zu wenige Literaturverlage, viel zu viel Selbstdarstellung und Schnickschnack.

In diesem Jahr wagte ich mich wieder einmal dorthin. Der Brandenburgische Schriftstellerverband war nicht vertreten, auch „mein“ Karlsruher Verlag nicht, die Zahl an ausstellenden Literaturverlagen war ebenfalls geschrumpft.

Dennoch hatte sich bereits zur Eröffnung eine lange Schlange vor dem Eingang gebildet. Wieder waren es vor allem Autoren und Autorinnen, die selbstverlegte Bücher anboten, teils entsprechende Performance dazu boten, auch Merchandising stand offensichtlich hoch im Kurs. Es gab Lesungen und ausgestellte Bücher, die zum Schmökern einluden, mir allerdings leider auch vor Augen führten, dass diese Buchmesse vor allem den Bereichen Fantasy, Krimi und Romance gewidmet war. Und dem Selbst-Verlegen von Texten: ich sah etliche Stände von Dienstleistern, Werbeagenturen und Freien Lektoren. Gut, eine Tombola, ein Rätsel-Wettbewerb, hier und da Süßigkeiten – das findet sich auch auf der großen Messe in Leipzig.

Glücklicherweise gab es auch gute Momente an anderen Ständen: Mehrsprachige Kinderbücher, die in ausländischer Währung ausgepreist waren und für wenig Geld den Besitzer wechselten, kleine Literaturverlage, die anspruchsvolle Texte in Hardcover, Softcover und Zwischenformen hatten drucken lassen, eine Vielfalt an Themen und Genres, die mich erstaunte und aufmerken ließ. Auch die #BerlinAuthors waren vertreten, engagiert, jung, mit eigenen Werken und dem Ziel, ein breites Netzwerk aufzubauen, das auch jede brandenburgische Autorin willkommen heißt.

Die BuchBerlin geht über zwei Tage, an einem Wochenende, und vermutlich haben viele Gäste dort das gefunden, was sie gesucht haben. Ich konnte gute Gespräche führen, erfuhr auch, weshalb jemand die Buchmesse mochte oder was fehlte, oft sogar ungefragt. Für mich war es immerhin interessant und gekauft habe ich auch etwas. Ein Tag reichte mir jedoch und nach dem vielen Laufen zwischen den Gängen, die laienhaft beschriftet waren, atmete ich draußen die spätsommerlich warme Luft und schlenderte den restlichen Nachmittag lieber auf der anderen Seite des Bahnhofs Treptower Park, wo ich das Wasser sehen konnte und viel Grün und Muße hatte, über all das nachzudenken, was sich an Informationen und Bildern in mir angesammelt hatte.

LBM 2024

LBM 2024
20.-23. März 2024

Ein Frühlingstag im März. Während draußen noch etliche Besucher ihre Mützen präsentierten, heizte es sich wie üblich unter den Glasdächern der Messehallen schnell auf. Die Comic-Manga-Fraktion erschien mir bereits am Donnerstag doppelt so stark wie in den vergangenen Jahren, bunt, unsicher und selbstbewusst, Farbkleckse zwischen den in Schwarz Gestylten.
Mit einem eigenen aktuellen Buch auf der Messe zu sein, ist doch etwas anderes. Ich fühlte mich beschwingt, gesehen, obwohl es von Bestsellerautoren nur so wimmelte. Die Signierstunde am Verlagsstand war gut besucht, ich wurde sogar von Schülern interviewt und hoffe, sie haben eine gute Note dafür erhalten.
Das „Café Wien“ ist wieder da! Und damit unser Treffpunkt, unsere Insel inmitten des Gewühls. Mit schmackhaftem Kuchen, tollem Kaffee, freundlicher Bedienung und einem Glas Sekt – man muss sich nicht gleich betrinken, um sich wohl zu fühlen und über den Sinn des Daseins nachzudenken.
Zum Nachdenken kommt man während der Rundgänge eh nicht. Überall Programm, gegen Mittag bereits schieben sich die Menschen durch die Gänge, in denen die Frühlingsluft nicht gespürt werden kann. Erst draußen. Was für ein Aufatmen.
Gelungene Lesungen, wunderbare Gespräche, viel zu wenig Schlaf. Das gehört dazu, den Schlaf kann man zu Hause nachholen. Die Begegnungen und Diskussionen nicht, davon werde ich noch eine Weile zehren. Ich freue mich auf 2025!

Das Buch in den eigenen Händen halten

Das Buch in den eigenen Händen halten
17. Januar 2024

… ist auch beim dritten Roman etwas sehr Besonderes. Ich riss die Verpackung auf wie ein Westpaket – und es war schließlich auch eines, aus dem Südwesten der Republik. Schutzfolie abtrennen, aufschlagen, lesen. Das habe ich geschrieben. Es ist gedruckt worden. Mein Buch.

Die ersten Exemplare signieren – für meine Familie. Das Buch zeigen, mich weiter freuen.
Noch fehlt mir der Mut, es im Ganzen noch einmal zu lesen, ich fürchte das Auffinden der Tippfehler, die ich übersehen habe. Es sind welche drin, das steht fest.
Das ist so sicher wie das Auffinden von Fehlern in fremden Büchern. War das früher tatsächlich anders oder nur in meiner Erinnerung? In den alten Ausgaben von Christa Wolf habe ich nie einen Tippfehler gefunden – auch kein an falscher Stelle stehendes Trennungszeichen am Zeilenende. In den neueren Ausgaben schon. Wenige, damit werde ich mich nicht messen können, aber es gibt sie. Weil es weniger Lektoren und Korrektoren gibt, vermutlich, die sich das Werk anschauen. Weil ich nicht Christa Wolf bin, das auch. Es ist ein wenig traurig, aber davon möchte ich mir gerade nicht die gute Laune vertreiben lassen. Mein Buch ist da und ich liebe es.


Ich kann es kaum erwarten, das Buch präsentieren zu dürfen, Menschen, die zu meinen Lesungen kommen werden. Die schon anderes von mir gelesen haben und mir schreiben, dass sie sich auf das neue Werk freuen. Wird es der Erwartung standhalten können?
Der Zweifel wird wohl nie verschwinden.
Ich habe alles gegeben, was möglich war, in den letzten Monaten und all den Jahren davor. Der Roman ist so gut, wie er gerade sein kann. Ich streiche über den Umschlag und habe mich mit dem Hut versöhnt, den ich zuerst nicht auf dem Cover haben wollte.
Das Buch ist dicker als ich dachte, nun gut, es umfasst auch mehr Seiten als „Paule“ oder „Rot ist schön“. Kaum noch zu glauben für mich, dass es einmal mehr als 800 Seiten gewesen sind, das wäre doppelt so viel wie jetzt. Das wäre im wahrsten Sinne eine schwere Lektüre geworden. 400 Seiten sind genug und ich freue mich auf die Leser. Und alle Frauen natürlich auch.

Vorfreude ist die schönste Freude

Vorfreude ist die schönste Freude
5. Dezember 2023

Das gilt nicht nur vor Weihnachten, obwohl es in diesem Jahr für mich so passt. Und geteilte Freude ist doppelte Freude.

Das macht mir gerade am meisten Spaß: anderen vom bevorstehenden Erscheinen meines Romans „Greta“ zu berichten und die Freude darüber mit ihnen zu teilen.

Einige Emails kommen leider zurück – zu lange ist es her, dass ich mit dem Text begonnen habe, zu viele Jahre sind seit den Recherchen vergangen. Bei anderen wiederum ist die Erinnerung an mich präsent. Ich bekomme sogar Fotos zurückgeschickt und leichte Entrüstung: sie haben mich doch nicht vergessen! Alle freuen sich mit mir und diese zurückgegebene Freude lässt meine sich nicht nur verdoppeln wie in besagtem Sprichwort, sondern verzehnfachen. Mindestens.

Ich laufe jetzt schon wie auf Wolken, dabei habe ich erstens das Buch noch gar nicht in der Hand und zweitens ist das ziemlich gefährlich, weil die Wege draußen wahre Rutschbahnen sind. Winter halt. Wenigstens zwischen dem ersten und zweiten Advent, für das Wetter sind drei Wochen bis zum Fest eine lange Zeit. Schneemänner säumen die Rasenflächen, Schneebälle fliegen, das Juchzen klingt hell und laut aus den Kinderkehlen. Ich möchte am liebsten mitjuchzen, singen, tanzen. Selbst das Grau, das nach dem „Pieselschnee“ das Licht des Tages dimmt, kann mich nicht davon abhalten, fröhlich zu sein. Auch nicht die erwartete Email, der ausstehende Anruf, der Räumlichkeiten verspricht für die Premierenlesung, in diesen Tagen denke ich: alles wird sich fügen. Die anderen Stunden, die, in denen mich das Grau vor dem Fenster niederdrückt, werden auch wieder kommen, aber das kann ich gerade sehr gut fortschieben.

Ich genieße die Vorfreude.

Rien ne va plus

Rien ne va plus
12. November 2023

Nichts geht mehr – so fühlte ich mich, als ich das Manuskript nach dem erneuten Lektorat endlich abgeschickt habe. Dabei stehen die Druckfahnen noch aus. Kleine Dinge kann ich auch dann noch beheben. Größere, wie das Umstellen von Sätzen oder gar Absätzen, nicht mehr. Das ist auch gut so, es muss ja irgendwann Schluss sein mit der Überarbeitung. Ein schales Gefühl bleibt dennoch. Was, wenn ich etwas ganz Wichtiges übersehen habe?

Habe ich nicht. Ich habe das gesamte Manuskript einmal selbst eingelesen und abgehört und mir einmal vom Computer vorlesen lassen. Ich habe konzentriert gearbeitet, mir jede Seite des umfangreichen Recherchematerials noch einmal angesehen, all die Bilddateien aufgerufen, die mir Dank des Inhalts einer schwarzen Epoche Alpträume bescherten. Ich habe getan, was ich tun konnte. Das sage ich mir vor, wesentlich leichter wird mir damit allerdings auch nicht.

Das Vorlesen lassen, mit einer monotonen Computerstimme, hat sehr geholfen. Der Computer liest über Tippfehler nicht einfach hinweg, wie ich es tat, sondern findet auch fehlende „s“, ein „r“ statt „t“, ohne das vorab zu unterkringeln. Weill es diese Wörter eben auch gibt und ein Rechtschreibprogramm keine Logik prüft.

Diese neue Erfahrung – das Einlesen samt Abhören und das Laut-Vorlesen-lassen werde ich mir für kommende Texte auf jeden Fall merken. Bei diesem Manuskript habe ich das kapitelweise von Anfang an getan (das Aufsprechen), vielleicht, weil das Werk so umfangreich ist? Weil es voller Recherchematerial steckt? Ganz sicher, weil ich – beim lauten Einlesen oder spätestens beim Abhören – jedes Stolpern bemerke und dort einsetzen kann. Darüber nachdenken und passender formulieren, streichen oder umstellen.

Die üblichen letzten Schritte mit dem Suchen nach Wortwiederholungen haben mich dieses Mal echt gefordert. Aber auch das ist Vergangenheit und die Änderungen sind hoffentlich gelungen. Nun heißt es abwarten. Länger als geplant. Der Erscheinungstermin vor Weihnachten ist leider nicht mehr zu halten. Das hat mich noch einmal aus der Bahn geworfen.

Letztlich ist das Wichtigste für mich jedoch, dass der Roman erscheinen wird. Dann eben im eiskalten Winter (so es einen geben wird). „Eiseskalt“, wie Ieva sagte, ich stecke noch immer voller Romansätze und träume sogar mit ihnen. Das ist etwas Schönes, ich fühle mich aufgehoben darin, ich weiß, dass ich alles gegeben habe.

Das Cover gefällt mir und lässt mich daran denken – „erwartungsschwanger,“ auch das ein Wort aus dem Roman – wie es sein wird, das fertige Buch in den Händen zu halten. Ich freue mich darauf. Und einen neuen Raum für die Premierenlesung werde ich auch noch finden.

Es dauert solange, wie es dauert

Es dauert solange, wie es dauert
12. Oktober 2023

Das Lektorat kann eine sehr langwierige Sache werden. Zumal, wenn die Lektorin, an die man sich gerade erst zu gewöhnen beginnt, von einem Tag zum nächsten nicht mehr da ist. Der Verlag zwischendrin auch noch umzieht und es gefühlte Wochen dauert, bis eine neue Lektorin sich vorstellt. An die man sich auch erst einmal wieder gewöhnen muss. Will, selbstverständlich. Die grauen oder weißen Haare sprießen, es hilft nicht. Geduld gehörte noch nie zu meinen Stärken. Aber die ist von Nöten, bitter von Nöten. Mit dem Verlag, der Lektorin und nicht zuletzt mit mir selbst. Es dauert solange, wie es dauert, sagte eine alte Frau gern, das könnte Greta gewesen sein oder eine ihrer zahlreichen Vorbilder in der Realität. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Die genutzten Sprichwörter schwirren in meinem Kopf herum, nachts wache ich auf und denke ausnahmsweise nicht an Schmerzen, sondern an Formulierungen, die noch eleganter sein könnten, literarischer. Ein hehres Ziel, schwer zu erreichen. Aber es wird. Jeden Tag ein bisschen besser.

Der vertraglich zugesicherte Erscheinungstermin für meinen neuen Roman ist längst vorbei, es gibt einen neuen und sogar schon einen Termin für die Premiere. Hoffentlich kann der gehalten werden!

Das Buch wäre sozusagen mein Weihnachtsgeschenk. Das Fest liegt angesichts der allerorten angebotenen Hohlfiguren und Christstollen gar nicht mehr weit entfernt. Also muss ich mich sputen und gleichzeitig zur Langsamkeit ermahnen. Satz für Satz will noch einmal konzentriert gelesen werden, geprüft. Anmerkungen der neuen Lektorin überdacht, das allein dauert manchmal zwei Tage, weil ich mich von brüsker Ablehnung erst zu Einsicht und dann zu Veränderung bewege. Oft hat sie Recht, „kill your darlings“ – leicht ist es selten. Wenigstens das Wetter spielt mit: bei pladderndem Regen laufe ich lieber durch die Wohnung und setze mich wieder, lege einen Moment die Beine hoch, denke nach. Keine Einkäufe oder Hundebesitzer lenken mich ab. Ich kann am späten Nachmittag hinausgehen, von mir aufgesprochene Kapitel im Handy-Kopfhörer und weiterarbeiten. Bis alles so geworden ist, wie ich es gerade schaffe. Bis ich zufrieden bin. Und sogar schon ein wenig Vorfreude spüren kann.