22. März 2026
kommt hier nicht, obwohl ich den Text tatsächlich im Entwurf aufgesprochen habe.
Aber chronologisch.
„Verspätung aus vorheriger Fahrt“ ist das Wort des ersten Tages.
Hochdeutsch geschrieben oder sächsisch gesprochen spielt keine Rolle und zeigt nur, dass es nördlich wie südlich genauso schlecht um die Bahn bestellt ist.
Die Anreise war genau so, wie man es sich vorstellt. Mit zwanzig Minuten Verspätung fuhr der erste Regionalexpress los, die Umstiegszeit in Dessau schmolz dahin. Der Zugbegleiter schließlich empfahl allen nach Leipzig Reisenden in Roßlau auszusteigen, um den Anschlusszug einen Halt vorher noch erreichen zu können. Nur Momente später rollte der Zug aus Magdeburg ein, hielt an und erklärte den vielleicht einhundert wartenden Menschen: „Wir sind voll. Der nächste Zug ist doppelt so lang. Warum sind Sie überhaupt hier ausgestiegen?“
Weil der Zugbegleiter das empfohlen hat.
Von Dessau aus hätte man vielleicht eine S-Bahn erwischt. So blieb nur auf den nächsten Zug zu warten. Die Schüler sprangen über die Zäune und vergnügten sich auf dem Rasen mit Glasflaschen, die andere dort hinterlassen hatten, und versuchten, sie mit dem Schießen an Betonpfeiler kaputt zu kriegen. Nach Aussage einer Reisenden waren die Lehrerinnen im Geburtstagsfeierrausch und kümmerten sich nicht darum.
Zum Glück kam der nächste Zug. Auch voll, aber irgendwie kamen alle hinein, um in Leipzig am Bahnhof Messe wieder auszusteigen und hintereinander zu den gläsernen Messehallen zu laufen.
Verwundert schaute ich auf die Anlage mit den Springbrunnen: es gab keine langen Schlangen. Die Organisation war also wesentlich besser als noch vor einem Jahr.
Ich hatte es noch besser, denn ich ging ins Pressezentrum. Begrüßte das Messemännchen, das es also auch noch gibt. Um mich herum himmlische Ruhe. Saubere Toiletten, hilfsbereite, freundliche Mitarbeiter, die mir Gepäck und Jacke abnahmen. Und dann war ich drinnen. Immerhin nur mit knapp zwei Stunden Verspätung.
Die Aussteller sind am Donnerstag noch ausgeruht. Es gibt fast überall kostenfreie Zeitungsexemplare. Die Gespräche sind freundlich und vor allem ist es nicht schwer, tatsächlich zu denen vorzudringen, mit denen man reden möchte, von einer Halle in die nächste.
Ich hatte neben den selbst gewählten Gesprächsterminen einige Lesungen auf dem persönlichen Programmzettel, die ich mir gerne anhören wollte und schaffte es sogar noch, liebe Menschen zu treffen und mit ihnen zu schwatzen.
Am späten Nachmittag ging es in der überfüllten S-Bahn zurück in die Stadt, etwas essen, ein wenig frisch machen und dann ins Literaturhaus. Das Leipziger Literaturhaus war gerade in den Schlagzeilen. Nun scheint die weitere Finanzierung gesichert zu sein. Der Saal war ausverkauft, ich saß, andere standen sogar. Judith Hermann las viele Stellen aus ihrem neuen Buch, erzählte und beantwortete Fragen. Die Veranstaltung war sehr interessant und ein Hörerlebnis, die Autorin live zu erleben hatte ich mir schon lange gewünscht.
Nach kurzer und unruhiger Nacht folgte der zweite Tag auf der Messe. Es war wesentlich voller als am Donnerstag, allerdings kam es mir auch wärmer vor. Vermutlich, weil nicht überall die Fenster und Türen offen standen.
Ich hatte keine Termine mehr vereinbart und konnte mich treiben lassen. Ich erwischte noch eine Zeitung, die am Tag zuvor vergriffen gewesen war, sah einem Lego-Roboter zu, wie er den Zauberwürfel in Windeseile bearbeitete, und freute mich darüber, dass es im Beltz-Verlag Neuauflagen all meiner Kinderbücher zu geben scheint. Ich besuchte die Stände von einfacher und leichter Sprache, weil mich das gerade interessiert, wurde von Autoren angesprochen, die eigene Stände auf der Messe aufgebaut hatten, und staunte über das riesige Angebot an Hörbuch-Verlagen. Ich hielt bei Lesungen an, lauschte englischer und französischer Sprache und österreichischem Dialekt und nahm vor dem dichter werdenden Gedränge letztlich doch Reißaus.
Eine Pause hatte ich dringend nötig, die ich dann doch mit all den gehamsterten Zeitungen zubrachte, um nur die wichtigsten Artikel mit nach Hause schleppen zu müssen.
Am Abend hatte ich großes Glück und durfte in die bereits ausgebuchte Thalia-Buchhandlung hinein, in der Jana Hensel ihr neues Buch „Es war einmal ein Land“ vorstellte.
Obwohl ich die letzten Jahrzehnte bewusst erlebt habe, war einiges vollkommen neu für mich. Spannend, lange recherchiert, gut vorgetragen.
Für mich ein nachdenklich stimmender Abschluss dieser Buchmesse.
Um den vielen Büchern in meinen Regalen nicht noch weitere aufzubürden, habe ich nun erst einmal all meine Fernleihwünsche an die Bibliothek weitergegeben.
Lesestoff für die kommenden Wochen, ich freue mich darauf.
