- Einfaches Schreiben
14. Januar 2026
Das Seminar wirkt immer noch nach. So geht es einigen der Teilnehmerinnen, deshalb haben wir überlegt, weiterzumachen. Als Online-Gruppe.
Ich muss also einen Text schreiben, den ich dort zur Diskussion stellen kann. Ich weiß nicht so recht, worüber ich schreiben soll.Ich suche mir Anregungen. In einem Arztzimmer stand ich vor einem wunderschönen Ostseebild, das mit zahlreichen Einlegesohlen gespickt war. Ich überlegte, wie man jemandem Einlegesohlen erklären könnte. Das Plakat in einfachen Sätzen zu beschreiben, fiele mir leicht. Dünen, Gras, Wellen, Sonnenaufgang, Farben. Dann las ich die hinzugefügten Hinweise. Was eine Schaleneinlage ist, konnte ich sehen, sie ist an den Seiten nach oben gewölbt. Einbettung könnte ich erklären. Die vielen Fremdwörter kenne ich nicht. Der Arzt muss sie kennen und anwenden. Jeder Patient soll schließlich die beste Einlage verordnet bekommen. Aber braucht man dafür tatsächlich all die Fachbegriffe oder wäre es auch einfacher möglich?
In der Zeitung lese ich, dass an Berliner Gymnasien jetzt klassische Literatur in einfacher Sprache vermittelt wird. Handlung statt Sprachschönheit. Ein Beispiel ist auch abgedruckt, ich lese es sehr neugierig. Die „Übersetzung“ klappt, inhaltlich stimmt alles. Aber der Klang ist verschwunden. Der Rhythmus auch. Jeder Rapper könnte das besser.
Einfache Sprache am Gymnasium. Ich möchte in das Klagelied einstimmen. Abiturienten, die nicht in der Lage sein sollen, klassische Texte zu lesen.
Ich nehme mir das abgedruckte Beispiel noch einmal vor. Ein neues Fremdwort mitten hineingesetzt. Das alles andere ist als literarisch. Ich habe es doch auch schon besser gesehen. Literatur in einfacher Sprache. Mit Klang und Rhythmus. So fein verwoben, dass ich den Anlass glatt vergaß. Mich an den Bildern und Formulierungen erfreute, an der Spannung, der Dramaturgie.
Ich hätte keine Lust, klassische Literatur in einfache Sprache zu übersetzen. Diejenigen, die mit einfachen Sätzen Literatur entstehen lassen können, vielleicht auch nicht.
Ich kopiere ein Stück aus einem unfertigen Manuskript und beginne zu streichen. Umzuformulieren. Zu kürzen.
Es macht Spaß und es ist manchmal erschreckend, wie kompliziert ich etwas beschrieben habe. Der Textauszug wird kürzer. Und deutlicher. Sehr viel deutlicher. Es ist wie das Abschälen einer Frucht. Und plötzlich sehe ich den Kern. Ich muss eine Pause einlegen, weil mich das irritiert. Regelrecht verstört.
Dabei wurde uns das im Seminar so berichtet. Dass eine bekannte Autorin einen Text in einfacher Sprache verfasste und anschließend sagte: Jetzt weiß ich, worüber ich schreiben will.
Ich hatte es vernommen, mir das aber nicht vorstellen können. Wie sollte das möglich sein: während man sich auf Verben und einfache Aussagen konzentriert, zum Kern der Geschichte vorzudringen?Vermutlich genau so.
- Lektorat 2
31. Dezember 2025
Diese Feiertage werde ich so schnell nicht vergessen.
Familie und Schreiben unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, aber ich habe es ganz gut hinbekommen.
Heute ist der letzte Tag eines sehr ereignisreichen Jahres und das Lektorat konnte pünktlich beendet werden. Ein Grund mehr zum Feiern.
Der schreibarme Dezember ist also in diesem Jahr ausgefallen, aber es war nicht nur anstrengend und intensiv, sondern auch voller Staunen und Freude. Wie gut es tut, mit konstruktiven Hinweisen zu arbeiten, wie viele Möglichkeiten es gibt, die Geschichte noch ein bisschen besser zu machen, das Staunen darüber, dass es gelingen kann.
Ein paar Arbeitsschritte stehen noch an: das Korrektorat, die Entscheidung für Titel und Cover, Klappentext und Danksagung, der Druck.
Mit dem Dankeschön fange ich schonmal an: Danke an alle, die mich unterstützt haben und sich mit mir freuen auf meinen neuen Roman.Auf ein gutes, friedliches 2026.
- Lektorat 1
02.12.2025
Endlich geht es los. Ich habe die ersten Seiten und ein paar Fragen von der Lektorin erhalten und bin erst einmal abgetaucht. In meinen Text, in die Figuren, ihre Eigenarten und Wünsche.
Was mir als Autorin sonnenklar ist, muss auch dastehen. Ganz einfach und manchmal ziemlich schwer.
Wenn ich beinahe verzweifle, denke ich an eine Übung aus dem letzten Seminar: wir sollten eine Person ganz genau beschreiben, die uns gegenübersteht oder -sitzt. Anschließend wurde der Text von einer anderen Person vorgelesen, während eine weitere Person sich textkonform hinstellen oder hinsetzen sollte. Während des Seminars wurde sehr viel gelacht. Dabei dachte vermutlich jeder, das exakt beschrieben zu haben. War es aber nicht, wie die Verrenkungen sehr deutlich zeigten.
Ich denke an diese Übung und muss unweigerlich schmunzeln. Also los. Wie genau war das mit dieser oder jener Figur, weshalb sagt sie genau diesen Satz an genau dieser Stelle. Wie wichtig sind gewölbte Fensterscheiben, wie detailliert muss der Boden beschrieben werden, wo genau befindet sich eine Figur. Braucht sie für das, was sie im Text gerade tut, zwei oder eher drei Hände?
Natürlich sollten diese Fragen längst beantwortet sein, wenn das Manuskript bei einem Verlag angekommen ist. Betriebsblind zu werden nach der zehnten oder zwanzigsten Überarbeitung gehört aber auch dazu. Dafür sind Lektorinnen da. Zum Glück. Also weiter. - Einfach schreiben
14. November 2025
Ich habe ein weiteres Seminar in Wolfenbüttel besucht.
Ich habe viel gelernt.
Pausenlos.
Das stimmt nicht ganz.
Ein paar ganz kurze Pausen gab es.Einfache Sprache ist nicht das Gleiche wie leichte Sprache.
Einfach zu schreiben ist nicht leicht.
Das habe ich dort verstanden.
Es gibt keine starren Regeln.
Es gibt viele Hinweise.
Wie diese:
Die Schrift soll größer sein als üblich.
Die Schrift soll gut lesbar sein.
Man soll jeden Satz in einer neuen Zeile beginnen.
Das funktioniert.
Funktionieren ist aber schon fast ein Fremdwort.
Das soll man erklären.
Es soll aber auch noch gut klingen.Einfaches Schreiben ist für alle Menschen.
Nicht nur für Personen, die die Sprache noch nicht kennen.
Nicht nur für Kinder.
Nicht nur für Menschen, die langsam lernen.
Alle sollen es verstehen.
Und sich an den Sätzen erfreuen können.Eine Bedienungsanleitung soll leichte Sprache verwenden.
Eine Bedienungsanleitung muss nicht schön sein.
Sie soll nur helfen, etwas zu bauen.
Oder einzuschalten.
Oder auszuschalten.Einfache Sprache ist bunter als leichte Sprache.
Aber wie macht man das?
Wir haben viel geübt und Vieles ausprobiert.
Das haben wir uns vorgelesen und darüber gesprochen.
Wir haben uns ausgedacht:
Eine Seminargruppe ist so ähnlich wie eine Schulklasse.
Ein Wolkenkratzer ist ein sehr großes Hochhaus.
Haus an Haus an Haus kann ein Reihenhaus sein.
Man kann damit aber auch eine Siedlung beschreiben.Wir haben aus dem Deutschen ins Deutsche übersetzt und aus ganz langen und sehr komplizierten Sätzen kurze gemacht.
Berühmte Gedichte neu geschrieben.
Erste Sätze aus Büchern genommen und uns ausgedacht, wie es weitergehen kann.
Von uns erzählt: von Flugzeugen und Wolken und Schwänen.
Von Flüssen und vom Radfahren.
Von Bergen und ihren Spitzen und vom Schlafen.
Bis wir ganz müde wurden.
Wir haben die Nächte zum Ausruhen gebraucht und sehr wenig Alkohol getrunken.Von Wolfenbüttel haben wir kaum etwas gesehen.
Nur zum Mittagessen liefen wir durch die Stadt.
Wir haben mittags in einer Gaststätte gegessen.
Dorthin liefen wir zuerst über eine Brücke.
Am Geländer hängen kleine Schlösser.
Solche von Liebenden.
Vielleicht auch von Menschen, die sich früher einmal geliebt haben.
Auch Blumenkästen sind dort angebracht.
Es war warm.
Die Blumen waren noch nicht erfroren.
Sie blühten rot und weiß.
Wir gingen durch Straßen und über Plätze.
Die meisten Häuser stehen dort schon sehr lange.
Einige wurden erst vor ein paar Jahren gebaut.
Der Platz am Busbahnhof ist neu.
Dort gibt es eine große Buchhandlung.Wir wohnten in der Mühle.
Das große Haus ist schon sehr alt.
Drinnen ist es modern.
Wir lernten auch in der Mühle.
Nach dem Seminar fuhren wir wieder nach Hause.
In sehr viele Richtungen: bis nach Flensburg oder Köln oder München oder Berlin.
Nur die ersten zehn Minuten waren wir noch gemeinsam in der Bahn.
In Braunschweig trennten wir uns.
Vielleicht sehen wir uns wieder.
Einfach so. - Gern mehr davon
24. September 2025
Der Herbst ist da, nach dem Kalender und real, mit sechs Grad am frühen Morgen und sonnigen Stunden tagsüber.
Und damit ein neuer Leseort für mich und ziemlich viel Lampenfieber.
Der Raum füllt sich, ich nippe trotz der Aufregung am Kaffee, dann endlich geht es los. Mit Vorstellung und kleiner Fragerunde, sehr angenehm. Ich muss antworten und habe keine Zeit für weitere Ängste.
Während ich anschließend die vorbereiteten Auszüge lese, herrscht absolute Stille.Immer wieder muss ich mich selbst daran erinnern, das auch wahrzunehmen, dieses aufmerksame Zuhören ist mein Lohn.
Das während ich lese zu genießen, fällt mir nicht leicht. Ich muss schließlich vor allem flüssig vortragen, sollte mich nicht versprechen, ordentlich betonen und auf eine deutliche Aussprache achten, die im Alltag für mich leider nicht alltäglich ist.
Für Momente schaffe ich es, mich auf dieses Mucksmäuschenstille zu konzentrieren, und freue mich.Ich beende die Lesung, die Ruhe bleibt. Niemand steht auf, niemand scharrt mit dem Stuhl oder kramt in der Tasche. Keine Fragen? Keine Meinung?
Erst einmal ein bisschen verdauen, sagt jemand, andere nicken.
Und dann geht es los. Ich antworte, darf aber auch schweigen und zuhören. Die Gäste erzählen, schwatzen miteinander, dann wieder mit mir. Es fühlt sich warm an wie ein Sommertag, dabei kannte ich vor einer Stunde noch niemanden.
Alle Ängste und die Aufregung sind vergessen, umsonst waren sie nicht, nur ein wenig zu stark. Ein neuer Ort ist immer eine besondere Herausforderung.Nach diesem gelungenen Auftakt freue ich mich auf die nächste Lesung.
- Morgengymnastik
08. September 2025
Die Woche in Irsee ist nun schon seit einem Monat vorbei. Heute, vor genau einem Monat, haben wir als Kurs die letzte „Morgengymnastik“ absolviert zu einem Text von Hans Magnus Enzensberger, ein Dankeschön an das Leben.
Zuhause habe ich mit all den fremden oder nicht mehr ganz fremden Texten noch einmal begonnen und neue Assoziationen nutzen können. Und dann habe ich einfach weiter geschrieben. Mit Anregungen aus Büchern, aus den Nachrichten sogar, aus dem ganz normalen Alltag oder einer besonderen Bemerkung.
Miniaturen sind entstanden, die in mein Manuskript passen, an dem ich arbeite, und kurze Texte, die bald vergessen sein werden.Ich hatte überlegt, zum Monatsende damit aufzuhören, aber gerade steht das gar nicht mehr auf meinem Plan. Der Begriff Morgengymnastik trägt mich, an manchen Tagen verfasse ich zwei oder drei Texte einfach nur zum Spaß. Und Spaß macht es. Immer noch.
Das Manuskript, das ich überarbeitet habe, wartet nun auf die nächste Runde, muss warten, liegen, reifen, bevor ich mich wieder daran setzen kann.
Wie immer fülle ich die schreib-freie Zeit mit Lektüre, tausche regelmäßig den Stapel aus, habe gerade ein gutes Gespür dafür, welche Bücher mich berühren, fesseln, weitertragen. Mir neue Inspiration liefern. Mir zeigen, wie es auch funktionieren kann: Das Experimentieren, das Formulieren. Wie viele Geschichten es gibt und wie einzigartig sie erzählt werden können.
Wie viel davon in meine Texte fließen kann.Jeden Morgen einen Schreibgrund zu haben, gefällt mir.
Nach der Gymnastik auf dem Boden die im Sessel. - Eine irre Woche in Irsee
11. August 2025
Nach heftigem Dauerregen zu Wochenbeginn, der alles in ein tropfendes und glitschiges Grau verwandelte und mich zwang, meine Kleidung mit dem Föhn wieder zu trocknen, hatte Petrus – der Bildungsstätte in einem Kloster gemäß – ein Einsehen und schickte zur Wochenmitte die Sonne. Er übertrieb ein wenig, denn zum Kunstsommertag am Samstag waren es schon 29°.
So durcheinander der Sommer sich zeigte, so konzentriert zeigte sich die Klasse. Bei der Morgengymnastik wurden Bauch und Gehirn trainiert und die Finger schrieben vorläufige Resultate in kleine und große Hefte und klopften auf Tastaturen herum.
Ich füllte Seite um Seite, ließ mich ein auf unbekannte Texte berühmter Autorinnen und lauschte gebannt den Ideen der anderen. Erst beim reichhaltigen Essen lernte ich ihre Namen, erfuhr Geschichten und konnte Kürzesttexte mit Lebenserfahrungen verknüpfen.
Die Teilnehmerinnen (und ein junger Mann) formulierten ihr Feedback in einer selten erlebten Qualität, wohlwollend konstruktiv und ermutigend. Die sorgfältig geplante Struktur seitens der Dozentin ließ Platz für erfrischend offene Abweichungen. Eine Meisterin, die keine Meisterin sein wollte, überraschte und beflügelte uns.
Die von mir befürchtete Erschöpfung blieb aus, eine kreative Energie hing im Raum und breitete sich rings um das Kloster aus.
Vom Morgenimpuls mit Tasten, Hören, Sehen bis zum abendlichen Glas Wasser oder Wein waren die Tage eine permanente Inspiration und ich hoffe, davon etwas in den Alltag mitnehmen zu können.
Der Austausch in den ersten Wochen, verbunden mit meinem Vorhaben, die Morgengymnastik zu Hause fortzuführen, motiviert mich (erfahrungsgemäß schläft der Kontakt ein) und wird mit der wieder entdeckten Neugierde auf ungewohnte Ausdrucksmöglichkeiten nun öfter zum Einsatz kommen. Für Ein(s)sätze, Zweisätze, Dreisätze. Musikalisch, mathematisch, literarisch.
- Schwäbischer Kunstsommer 2025
20. Juni 2025
Zum zweiten Mal werde ich nach Irsee fahren. Eine elendig lange Anfahrt steht mir bevor und eine vermutlich extrem anstrengende Seminarwoche. Egal. Ich freue mich sehr, noch einmal dort sein zu dürfen, in diesem Ort, den ich vor sieben Jahren zum ersten Mal erlebte und erkundete.
Vom Yoga auf dem Rasen, sehr früh, über das morgendliche Singen bis zu den Abendvorträgen, bis zur öffentlichen Kunst-Sommernacht, in der sich alle Sparten präsentieren durften, sind mir in guter Erinnerung geblieben. Auch damals waren die Seminare anstrengend, die Temperaturen extrem, das Essen zu reichhaltig für mich, die Unterbringung zu zweit so ungewohnt, dass ich mich zuweilen frage, weshalb ich mir das nun – sieben Jahre älter, noch einmal antue.
Es ist keine Frage. Die Atmosphäre in diesem Ort ist so inspirierend, dass ich alle Anstrengungen gern noch einmal auf mich nehme. Auch damals waren die Teilnehmerinnen jünger, das wird in diesem Jahr nicht anders sein. Die Gespräche mit ihnen waren so bereichernd, dass ich die ungewohnte Zweierzimmer-Situation aushalten werde. Die Vielfalt der dort arbeitenden Meisterklassen in allen nur denkbaren Gattungen ermöglicht innerhalb von Tagen Einblicke in eine komplexe Kunstwelt: Malerei, Druck, Textilkunst, Fotografie, Chor, Instrumentalmusik, Schauspiel, Lyrik, Prosa, Comic. Prosa interessiert mich selbstverständlich am meisten, Annette Pehnt wird das Seminar leiten. Eine Woche lang werde ich mich mit Gleichgesinnten über das Schreiben unterhalten können, wir werden über Erfolge und Probleme nachdenken und uns hoffentlich gut ergänzen.
Ich werde als Stipendiatin dort sein, auch das zum zweiten Mal, und ganz sicher wochen- oder sogar monatelang von den Begegnungen und Erlebnissen zehren können. - Ein neuer Verlag
20. Juni 2025
Irgendwo öffnet sich immer eine Tür.
Der Spruch ist nicht neu, daran zu glauben, dass es weitergehen kann, weitergehen wird, fiel mir zwischendurch sehr schwer.
Nach zehn Jahren meist guter Zusammenarbeit hat der Verlag, der drei meiner Romane veröffentlicht hat, aufgegeben. Mit Kollegen gemeinsam versuchten wir zu retten, was nicht mehr zu retten ist, meine Bücher sind lieferbar, das immerhin. Andere Antworten auf die vielen Fragen habe ich nicht gefunden und ob mit Anwalt oder ohne – mehr, als die Rechte an meinen Werken zurückzubekommen, werde ich kaum erreichen.
Unschöne und zeitaufwändige, Nerven kostende und demütigende Monate danach kann ich wieder voller Hoffnung in meine literarische Zukunft blicken.
Ein kleiner Verlag, enthusiastisch, kreativ, und an meinen Texten interessiert. Der Vertrag ist unterschrieben, im Spätsommer beginnt das Lektorat.Es gab weitere Zusagen – von Verlagen, die erwarteten, dass ich stapelweise Bücher selbst erwerbe oder auf das Lektorat verzichte. Bei der Abnahme von Büchern habe ich gezögert – es ist leider inzwischen nicht selten, dass selbst mittelständische Verlage so etwas von ihren Autoren erwarten. Beim Lektorat gibt es für mich keinen Kompromiss. Ohne Lektorat werde ich nicht veröffentlichen, so schmeichelnd die Verlage mich behandeln.
Der unterschriebene Vertrag enthält diese Regelungen nicht, das ist ein großes Geschenk.
Ich freue mich auf das neue Buch, vorsichtig, vermutlich glaube ich mein Glück erst, wenn ich den Roman in den Händen halte. Die Enttäuschung sitzt tief, bezüglich der zehn Jahre dauernden Verlagsbeziehung, die zu einer persönlichen geworden war, und bezogen auf die zahlreichen Ablehnungen von anderen Verlagen. Meine Texte passen nicht zum Mainstream, das weiß ich, vielleicht spielt auch mein Alter eine Rolle: Zwanzigjährige lassen sich nicht nur leichter vermarkten, sie können auch als Label aufgebaut werden. Talente gibt es zuhauf, und ob sich die Investition rechnet, ist ebenso unbestimmbar wie bei meinen Büchern.
Der neue Vertrag gibt mir Kraft. Zuversicht. Ich schaffe es sogar manchmal, meinen Text „wie ein Fremder“ zu lesen, streiche liebgewordene Formulierungen noch vor dem eigentlichen Lektorat.
Ende des Monats geht das Manuskript zum Verlag. Ich freue mich auf die spannenden Monate bis zum Erscheinen. - Lese-Pause, jetzt
09. Juni 2025
Die letzte Lesung für dieses Halbjahr war ein guter Abschluss. Interessierte Gäste, dieses Mucksmäuschenstille während meines Vortrags, das ich so liebe und brauche, lange Gespräche im Anschluss.
Draußen lockte die Sonne, drinnen war es angenehm kühl, und der Blumenstrauß (den ich selten als Zugabe erhalte), hat die Rückreise gut überstanden und erfreut mich noch immer.
Obwohl es nötig wäre, nun die Herbstlesungen zu organisieren, genieße ich erst einmal die Auszeit. Ich muss keine Textstellen heraussuchen, keine Telefonate führen, die mich anstrengen und selten erfolgreich verlaufen, alles Klinkenputzen wird verschoben. Stattdessen genieße ich die Muße, mich auf neuere Texte zu konzentrieren, das Lesen, das Leben. Das ist ein wunderbares Gefühl inmitten des unbeständigen Wetters draußen, ein Gefühl der inneren Ruhe. Aufregend wird es früh genug wieder und wer weiß, ob ich nicht doch in ein paar Tagen beginne, den Herbst zu verplanen.
Zuerst aber möchte ich Kraft schöpfen, mich anderen liebgewordenen Tätigkeiten widmen. Durchatmen. Mir ein bisschen Erholung gönnen und mich auf den Sommer freuen.
- „Für Kinder muss man schreiben wie für Erwachsene – nur besser“
12. Mai 2025
Dieses Zitat von Maxim Gorki oder Erich Kästner (es war mir nicht möglich, das herauszufinden, beide haben das jedenfalls beherzigt) geht mir seit einigen Tagen durch den Kopf. Ich lese Jugendbücher. Ich hatte mich darauf gefreut, wieder in der Jury für den ver.di-Literaturpreis zu sein, Jugendbücher gehören nicht zu meinem üblichen Repertoire an Lesestoff.
So, wie ich gern am bundesweiten Lesewettbewerb teilnehme, um einen kleinen Einblick in die Vorlieben von Kindern einer sechsten Klasse zu bekommen, erfahre ich auch gern, was ältere Jugendliche lesen. Oder lesen würden, denn beim Literaturpreis sind es die Verlage und Autorinnen, die Bücher einreichen, nicht die Leser. Das unterscheidet die Wettbewerbe.
Das Leuchten in den Kinderaugen beim Vortrag, ihre Nervosität, ihr zu schnelles Lesen, all das zeigt mir, wie sehr sie das gewählte Buch lieben.
Ich könnte recherchieren, ob eines der eingereichten Werke auf BookTok oder Bookstagram oder einem anderen Kanal beworben wird, herzzerreißend, lachend oder weinend, aber das wäre nicht einmal ähnlich der Situation in einer 6. Klasse oder Bibliothek. Ich kann die Bücher nur selbst lesen – das wollte ich schließlich auch tun.
Der Stapel ist hoch, ich brauche nach den ersten Werken erst einmal eine Pause – die ich mit Literatur fülle. Mit Erwachsenenbüchern, die die Schönheit der Sprache zeigen, den roten Faden nicht verlieren, humorvoll und spannend geschrieben sind. Das erfüllt sich auch nicht bei jedem Titel. Vielleicht habe ich gerade das Glück, diese Geschichten auf dem anderen Stapel liegen zu haben, sie begeistern mich, sie hallen nach.
Auch bei den durchgearbeiteten Jugendbücher gibt es Episoden, die mich fesseln, die nachklingen, mich berühren. Die Themen, die Figuren, Schauplätze. Bisher habe ich keinen Favoriten gefunden, aber noch warten viele ungelesene Jugendbücher, die mich überraschen können.
Sofern sie das einlösen, was Erich Kästner oder Maxim Gorki nicht nur wunderbar formulierten, sondern umsetzten: „Für Kinder muss man schreiben wie für Erwachsene, nur besser“.
- Lese-Pause
13. April 2025
Ganz ist es noch nicht so weit, erst ab Mitte Juni wird es tatsächlich eine Pause geben, aber gerade liegt beinahe ein ganzer Monat vor der kommenden Buchpräsentation. Es war insgesamt viel los in den letzten Wochen.
Die Lesungen waren nicht nur pure Anstrengung (organisieren, vorbereiten, laut lesen üben, zum Ort der Veranstaltung fahren, eine Stunde stehen beim Vortrag, anschließend Gespräche führen), sondern geben mir immer viel zurück. Die Fragen sind oft ähnlich, nach dem, was „authentisch“ ist, nach dem, wie ich Ideen finde und ob ich vom Schreiben leben kann. Natürlich nicht. Aber von den Lesungen. Nicht im materiellen Sinn, sondern psychisch. Eine gute Lesung trägt mich lange durch den Alltag. Ich denke über die Fragen nach, versuche, die mich jedesmal berührende absolute Stille während meines Vortrags nachzuempfinden, sie noch einmal zu genießen. Diese Stunde ist oft der einzige Kontakt zu den Menschen, die meine Bücher lesen oder nur mir zuhören möchten. Beflügelt bereite ich auf dem Rückweg im Kopf schon die nächste Lesung vor, überlege mir andere Textstellen, die noch besser passen könnten. Ich möchte diese Tage nicht missen, so anstrengend sie auch sind.
Manchmal, wenn ich aus einem älteren Roman lese, erhalte ich schon vorab wunderbare Eindrücke, weil die Gäste das Buch kennen. Und sich dennoch auf den Weg gemacht haben, um mir zu lauschen, Textstellen zu erkennen und anschließend lange über eigene Erfahrungen berichten. Das geschieht manchmal in einem großen Kreis, an anderen Tagen sind nur zehn oder zwölf Gäste gekommen, es passiert aber, dass ich mit den wenigen Zuhörern länger im Gespräch bleibe als es bei größeren Runden der Fall ist – vermutlich ist die Hemmschwelle bei mehr als dreißig Leuten höher.
Wenige Zuhörer wirken auf mich wie eine Familie oder ein Freundeskreis, dabei kenne ich niemanden. Und auch sie kennen nicht mich, sondern nur meinen Text.
In diesem Frühjahr und Frühsommer sind die Vorbereitungen besonders aufwändig, weil ich aus allen drei Romanen vortrage. Vor unterschiedlichen Altersgruppen, an sehr unterschiedlichen Orten. Ich kann beim Texte heraussuchen, beim Lesen üben und beim Vortrag auch meinen Weg nachvollziehen und die teils gegensätzlichen Spannungen des Schreibens. Stufen, die nicht unbedingt auf einer Leiter nach oben führen, sondern Zwischenräume ausloten. Es gibt lyrische Passagen, dokumentarische, es gibt neben Landschaftsbeschreibungen seitenweise Dialoge. Passend zur jeweiligen Geschichte, so wollte ich es. Nach einer Lesung denke ich, es ist mir gelungen. - 100 Tage
10. April 2025
Die ersten einhundert Tage des Jahres 2025 sind nun herum und wie in den letzten Jahren üblich, kann ich mich nur darüber wundern, wie schnell sie vorbeigezogen sind.
Trotz oder wegen der Seminare habe ich viel geschrieben, an unterschiedlichen Texten, insgesamt sind es knapp einhundertdreißig Seiten geworden. Das ist nicht so viel, wie ich erhofft hatte, die drei Seminare, der Besuch der Buchmesse, Lesungen aus unterschiedlichen Romanen und der Alltag haben mich doch mehr beschäftigt als erwartet. In meinem Kopf sind noch viele Ideen und sogar fertige Szenen, ich muss sie nur aufschreiben. Dafür finde ich nun wieder mehr Zeit und ich freue mich darauf.
Denn das Schreiben am Morgen trägt mich weiterhin, nicht so sehr wegen der Struktur des Tages, sondern wegen des Gefühls, etwas geschafft zu haben. Die Überarbeitung muss noch warten, bis alles, was sich an Ideen in und nach den Seminaren angesammelt hat, erst einmal aus der Feder respektive der Tastatur aufs (digitale) Papier geflossen ist. - Hamburg und Wolfenbüttel
4. April 2025
Das Autorendock und die Bundesakademie. Innerhalb von zehn Tagen, definitiv zu viel für mich, aber es hat sich gelohnt. Beides.
Textbesprechung ein ganzes Wochenende lang, und trotz des viel zu lauten Hotels in Hamburg und – natürlich? – verspäteter Züge Geschichten, die nachwirken. Eine vorsichtig agierende Gruppe, an einigen Stellen hätte ich mir konstruktive und auch härtere Kritik gewünscht, aber ich war eine der wenigen Teilnehmer, die Seminarerfahrungen besaßen. Achtsames Umgehen miteinander hat auch etwas Gutes, von Achtung geprägtes Kundtun von Meinungen nämlich. Von Hamburg habe ich nicht viel gesehen, aber der Espresso auf dem Terrassendach im strahlenden Sonnenschein – und allein mit meinen Gedanken – bleibt mir wohl noch eine Weile in Erinnerung, ebenso wie die überwiegend autobiografischen Inhalte der Texte. Als Bonus erhielten wir den eigens vom Dozenten lektorierten eingereichten Text.
In Wolfenbüttel sitzen zwei Dozenten vorn, die Diskussionen können somit wesentlich strukturierter ablaufen, das mag ich an der Bundesakademie. Ebenso das Vermitteln von Wissen, anhand fremder alter und neuer Texte der veröffentlichten Literatur, sogar eine kleine Schreibübung fand noch Platz in dem prall gefüllten Zeitrahmen von drei Tagen.
Ich mag es auch, in Wolfenbüttel die Veränderungen wahrzunehmen. Die einstige Stadt mit „Zonenrandförderung“ verfiel nach der Wende zusehends, inzwischen stehen weniger Geschäfte leer, neue Grünanlagen entstanden, Baustellen künden von weiteren Vorhaben. Die Mühle steht für Beständigkeit. Die Textkritik ist sachlich, es wird manchmal zu viel abseits der Thematik geredet, das schaffen selbst zwei Dozenten nicht einzugrenzen. Trotz der hohen Teilnehmerzahl werden immer alle Besprechungen geschafft, der Humor (manchmal ausufernd ins Kalauern) sorgt auch drinnen für ein angenehmes Klima. Draußen lockte die Sonne, die wir in einer längeren Mittagspause genießen durften. Die obligatorische Lesung eines Dozenten am zweiten Tag ist immer etwas Besonderes. An diesem Montag war die Mühle so gut besucht, dass ich erstmals nach oben flüchtete und mit einer wunderbaren Aussicht aus der Galerie auf den unteren Raum und die Lesung belohnt wurde.
Zwei Seminare also, das dritte in der Reihe und erste der Aufzählung fand in Rendsburg statt, und nun wartet viel Arbeit. Auf die ich mich freue. - LBM 2025
28. März 2025
Das wichtigste zuerst: sehenswert. Immer. Obwohl es am Freitag viel zu voll war und die Security herum stand ohne zu handeln. Am normalen Einlass schlängelte sich ein riesiges Band aus Körpern um das große Wasserbecken herum, einen separaten Presseeingang gab es eben so wenig wie einen für Fachbesucher, die nicht gleichzeitig Aussteller waren. Ich konnte nur schieben und geschoben werden, glücklicherweise half mir vorerst die in den vergangenen Jahren erworbene Orientierung. Sicherheit ist wichtig, weshalb jedoch jeder einzelne Besucher einen Scan über sich ergehen lassen musste beziehungsweise durch das vom Flughafen bekannte Gerät gehen, was die Wartezeit extrem verlängerte, blieb mir unklar. Taschenkontrollen gab es wie in jedem anderen Jahr auch. Wer seitlich ins Gebäude kam, konnte weder Rucksack noch Jacke abgeben. Draußen schien die Sonne und heizte die Glasröhren zusätzlich auf.
Es war bunt wie immer, gut besucht wie immer, nur inhaltlich hat sich einiges verändert. Weniger Pressestände, mehr Fantasy, Dark Romance und New Adult. Für einen Tag war es schön zu sehen, wie viele Menschen sich nach wie vor für das gedruckte Wort interessieren.
Das Wiener Café hatte geöffnet, ein Mußepunkt inmitten des Trubels, und am Stehtisch tatsächlich Zeit zum Erzählen.
Der Rückweg verlangte mir dann doch noch einiges ab, denn ich nahm den falschen Ausgang. Wo man üblicherweise draußen und unter den Glasröhren zurück laufen kann, gab es nur Zäune und Mitarbeiter, die uns (ich war nicht die einzige, die verwundert auf den Maschendraht blickte) mit ein paar Brocken Deutsch erklärten, dass es hier nicht weitergeht. Also ungefähr siebenhundert Meter zurück, die Treppen nach oben nehmen und in sehr weitem Bogen um das Gebäude herumlaufen, um dann wieder hinabzusteigen. Der Weg zurück durch die Messehallen wäre definitiv kürzer gewesen.
Chaos auf dem Bahnhof, aber dort drei handelnde Mitarbeiterinnen, Megaphone und Ansagen, und dann war ich irgendwann am Hauptbahnhof und lief zum Bahnsteig für den ICE nach Berlin. Der hatte Verspätung, aber das war dann tatsächlich nicht mehr wichtig. - Geschafft!
12. März 2025
Ich bin auf Seite 103 und habe noch etliche Notizen für weitere Szenen.
Vermutlich werde ich in den nächsten Tagen noch einfach weiter schreiben, aber mein Ziel für dieses Jahr ist erreicht. Ein tolles Gefühl!
Da noch zwei Seminare anstehen, kann ich mich entspannen, was die geplante Seitenzahl betrifft, und mich auf die Gruppen und den Austausch konzentrieren.
Die ersten einundsiebzig Tage dieses Jahres waren vor allem eine Freude. Das Schreiben am Morgen hat mich mit viel Energie für den Tag ausgestattet, deshalb mag ich gar nicht damit aufhören. Ich darf es nun ruhiger gestalten, ich weiß schließlich auch, dass ich alle Seiten noch einmal lesen muss, der Text ruhen sollte und die Überarbeitung anstrengend werden wird.
Ich freue mich darauf – im April oder Mai oder Juni, wenn ich von den dann vielleicht 150 Seiten wieder bei 100 landen werde.
- Rendsburg, Hamburg, Wolfenbüttel
09. März 2025
Ich hatte mich für drei Weiterbildungen angemeldet, mich mit Textauszügen beworben und erhielt tatsächlich drei Zusagen. Zwei hätten vermutlich gereicht, mit einer einhundertprozentigen Quote hatte ich jedenfalls nicht gerechnet.
Nachdem ich im letzten Jahr nur zu einem Seminar gereist war, das ich seit etwa zehn Jahren auf meinem Wunschzettel hatte, nun also drei und auch noch kurz hintereinander.
Das erste in Rendsburg ist nun schon Geschichte.
Die Anfahrt ist recht lang, aber das Nordkolleg ist einen Besuch immer wert. Eine auf zwölf begrenzte Teilnehmerzahl sorgt dafür, dass tatsächlich jeder zu Wort kommen kann, dass viel Zeit für die Textarbeit aufgebracht wird und zwischendrin immer wieder auf allgemeinere Fragen eingegangen wird – bei einer Dozentin, die Verlagslektorin ist, geht es entsprechend oft um Veröffentlichungschancen und das Procedere dorthin.
Norddeutscher Nebel am Morgen, Sonnenschein mittags und der Nord-Ostsee-Kanal nur Gehminuten entfernt, sehr wichtig nach dem immer reichhaltigen Essen in ungezählten Varianten aus Fleisch, Fisch, Gemüse und Nachtisch – wer in Rendsburg nicht zunehmen will, muss die Mahlzeiten auslassen.
Eine ausgewählte Seminargruppe, die sich ermunternd kritisiert, sachlich, fachlich fundiert und vorsichtig. Sich kaum wiederholend, sehr angenehm.
Einiges habe ich bereits in meine Überarbeitung übernommen, Dankeschön.
Nächster Ort wird Hamburg sein, das Autorendock, leider finden die Wochenendseminare nicht mehr in Berlin statt, das wäre ein Katzensprung. Immerhin fahre ich im März nach Hamburg und nicht erst im Spätsommer, wenn die Bauarbeiten auf der Strecke die Reisezeit mindestens verdoppeln werden.
Der Reader für das Seminar ist zweimal so dick wie der für Rendsburg gewesen ist. Eine echte Herausforderung, diese Lesezeit will erst einmal eingeplant werden. Ich habe es gestern geschafft, die letzten Texte nicht nur zu lesen, sondern auch mit Anmerkungen zu versehen, ein zweites Mal nehme ich sie mir vermutlich erst auf der langen Zugfahrt vor.
Mein Textauszug für Wolfenbüttel ist abgeschickt, auch von dort wird es demnächst einen Reader geben, den es durchzuarbeiten gilt. Wenn das geschafft ist und das Seminar in Wolfenbüttel beginnt, ist der März vorbei. Ich freue mich trotz der Anstrengung darauf, mit wiederum Unbekannten über ihre und meine Textarbeit zu sprechen. Das morgendliche Schreiben ist wichtig, aber auch der Kontakt zu anderen, die ähnliche oder ganz andere Rituale haben, zweifeln, sich an gelungenen Sätzen oder Passagen erfreuen. Die Hinweise von anderen, die mich nicht kennen, sondern nur das, was ich eingereicht habe, sind nicht immer hilfreich, aber ich lerne auch in den Diskussionen zu ihren Texten und kann damit an meinem eigenen weiterarbeiten.
- Halbzeit
21. Februar 2025
Ich schreibe nun jeden Tag, oft mehr als eine Seite. Wenn ich das geschafft habe, spüre ich, wie gut es mir tut. Ich arbeite an zwei Projekten, das hilft natürlich, weil ich die Auswahl habe, falls mir zu einem gerade nichts einfallen will. Bisher habe ich das aber nicht gebraucht, ich schreibe eher parallel.
Fünfzig Tage sind herum und mein Vorlauf ist gut. Die einhundert Seiten werde ich vielleicht sogar vierzehn Tage früher erreichen als geplant, aber das ist nur Spekulation. Das Wichtigste ist, dass etwas bleibt von diesem begonnenen Text, dass er auch nach der notwendigen Ruhephase für mich Potential hat. Ich Lust dazu habe, daran zu arbeiten, „etwas daraus zu machen“. Erst einmal für mich.
Die Freude, mich am Morgen an den Laptop zu setzen und ein gutes Gefühl für den Tag zu bekommen, hilft mir, mit all den Unwägbarkeiten des Alltags umzugehen. Der Schnee glitzert, die Sonne wärmt, gegen den Wind packe ich Hals und Ohren ein.
Ich bleibe von all den herum irrenden Viren oder Bakterien nicht verschont, sie suchen ein Zuhause, das ich ihnen gar nicht anbieten möchte, sie finden mich. Wollen mich umwerfen, verbünden sich mit dem eisigen Wind. Aber die Freude über das morgendliche Schreiben trägt mich. Selbst durch diese Tage.
- Auf ein Neues!
19. Januar 2025
Inzwischen ist der erste Monat des Jahres schon fast herum. Neujahr ist der Tag der guten Vorsätze. Die meisten davon landen allerdings nach einer Woche im Müll, andere lassen sich nur wenige Monate durchhalten. Zu viel macht zu viel Druck. Ich habe natürlich auch darüber nachgedacht, Silvester ist eben ein Datum, an dem nicht nur geböllert wird, sondern auch Bilanz gezogen werden kann. Was plane ich für das nächste Jahr, was wünsche ich mir, was wäre Glück, aber eher unwahrscheinlich. Feiertage sind wenig geeignet, um realistisch zu bleiben, aber einen Versuch ist es wert.
Ich habe mir für das neue Jahr vorgenommen, jeden Tag eine Seite zu schreiben. Es gibt zahlreiche Ratgeber, die einem ausrechnen (oder auch nur dokumentieren), dass, wer jeden Tag eine Seite füllt, am Jahresende ein Buch geschrieben haben wird. Das klingt auf den ersten Blick verlockend. Für diejenigen, die noch nie ein Buch geschrieben haben. Denn das Rohmaterial, und mehr kann ein erster Entwurf bei mir nicht sein, muss noch unzählige Male verändert und verbessert werden. Also besser ein Anfang. Die Idee schwirrte schon seit einiger Zeit in meinem Kopf und gemeinsam mit der Lust auf Neues fiel es mir nicht schwer, zu beginnen.
In den vergangenen Jahren hat sich bei meinem Schreiben herauskristallisiert, dass eine Geschichte erst zu einem Roman werden wird, wenn ich über die ersten sechzig Seiten hinausgekommen bin. Das ist meine persönliche Achillesferse. Bin ich bei einhundert Seiten angekommen und habe immer noch viele Ideen für die folgenden Kapitel im Kopf, kann es gelingen. Andernfalls taugen die sechzig Seiten vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt dafür, daraus eine Kurzgeschichte zu formen. Der Rest bleibt Fingerübung. Das ist ja auch wichtig.
Jeden Tag eine Seite also. Aber nicht das gesamte Jahr hindurch. Zu viel macht zu viel Druck. Ich habe mir einhundert Seiten vorgenommen – damit lande ich, wenn es klappt, am 10. April, das ist noch eine Woche vor dem Osterfest. Sollte zu schaffen sein. Dann werde ich wissen, ob das Projekt gedeihen kann. Ich kann entweder „verlängern“ oder ohne Gewissensbisse mit der Überarbeitung beginnen. Bisher funktioniert das sehr gut, ich habe ein paar Seiten Vorlauf. Ein guter Start in ein neues Jahr.
- Weihnachtsruhe
27. November 2024
Es ist erst in vier Wochen soweit, besser gesagt, ist Weihnachten dann schon vorbei. Meine Ruhe vermutlich auch.
Noch hängt draußen der trübe November vor dem Fenster und lässt mich erst mittags aus der Wohnung (und vom stehenden und sitzenden Schreiben). Gehen, atmen, nachdenken. Die Hörbücher müssen gerade warten, ebenso wie die „echten“ Bücher, mein Kopf ist gefüllt, es dauert, ehe ich dort Platz für neue Texte finde. Dann ist es meistens schon wieder morgens.
Die permanente Konzentration ist kräftezehrend. Essen, Trinken, Laufen – alles findet statt, aber gefühlt ohne Beteiligung des Kopfes. Mund, Nase, Hände, Füße funktionieren wie bei einer Maschine, der Kopf aber will ständig etwas anderes und damit Hände und Füße beschäftigen. Ein Teufelskreis, der euphorisiert aber auch mega-anstrengend ist.Ab dem Wochenende wird sich das ändern. Alles, was ich schaffen wollte, ist geschafft, jetzt schon, ich kann langsam austrudeln, im Hier und Jetzt ankommen, mich auf Plätzchen und Kerzen konzentrieren. Darauf, dass die Sonne es tatsächlich schafft, durch die dicken Wolken zu dringen. Noch wird es jeden Tag später hell und früher dunkel, aber auch der Kipppunkt ist schon bald erreicht und bis dahin werde ich endlich die Bücher lesen, die sich angesammelt haben, Briefe schreiben statt Geschichten, weniger strukturiert, aber herzlich. Ich werde mit den fremden Geschichten im Kopfhörer den Reihern, Enten und Schwänen zusehen und einfach nur laufen.
Mein Ruhemonat Dezember. Für die Familie und zum Backen. Damit mein Kopf sich erholt (hoffentlich) und ich insgesamt neue Kraft schöpfen kann für all die Dinge, die ich noch machen möchte. Nach Weihnachten.
