17. Juli 2026

Ich nutze social media selten. Ich mag mir nicht vorstellen, einhundert Freunde zu haben, von denen ich niemanden kenne. Ein paar Follower habe ich trotzdem – bei lovely books zum Beispiel. Das passt, obwohl ich auch diese Menschen nie persönlich getroffen habe. Was uns verbindet, sind meine Bücher.

Es soll Statistiken geben, die etliche FB- oder ähnliche Verteiler ausgewertet haben und festgestellt, dass Werbung auf diesen Kanälen für reale Veranstaltungen kaum etwas bringt. Man schreibt einhundert Menschen an (oder doch eher die Accounts) und einer macht sich vielleicht auf den Weg. Wenigstens wird kein Papier verschwendet, aber wer sagt, dass die Verschwendung von Strom geringer wiegt?
Auch deshalb mag ich diese Zeitfresserchen nicht.
Das Internet an sich aber schon.
Für heiße Sommertage oder verregnete, für eingeschränkte Beweglichkeit oder eingeschränkte Bahnverlässlichkeit (also fast immer) eignen sich online-Meetings perfekt.
Zum Beispiel, um andere zu sehen und kennenzulernen. Das persönliche kann man hoffentlich irgendwann nachholen.

Technik ist natürlich nur so lange gut, wie sie funktioniert.
Es gibt Videokonferenzen, die gut laufen und andere, bei denen man den Gegenüber kaum versteht. Bei denen die Verbindung zwischendrin abbricht oder man das Bild ausschalten muss, weil der Datenstrom das nicht aushält. Aber meistens funktioniert die Technik einigermaßen und einen Chat gibt es notfalls ja auch noch dabei.
Videokonferenzen habe ich schon einige erlebt, zuvor aber noch keinen Online-Stammtisch.

In der angenehmen Kühle eines Zimmers, vor einer weißen Wand oder einem Bücherregal, lässt es sich hervorragend plaudern. Man sieht die Kollegen und kann die Namen von der Website nach den ersten Sätzen endlich auch mit den Genres, Textauszügen und veröffentlichten Lebensläufen verbinden. Man hört die Stimme, sieht das Gesicht.
Weil die Videos, wie angeführt, das Internet ausbremsen, schaltet einer nach dem anderen das Bild ab. Für mich erhöht sich damit jeweils die Konzentration darauf, einander zuzuhören. Sich gegenseitig Fragen zu stellen, Ideen auszutauschen und zwei Stunden lang über nichts anderes als Literatur zu reden.
Draußen heizt der Sommer die Luft, drinnen ergibt sich eine wunderbare Beschäftigung am Abend.